Aufruf


Auszug


Das Empire ist überall, wo nichts geschieht. Überall, wo alles funktioniert. Dort, wo die normale Situation regiert. Wenn wir uns unter dem Feind immer wieder ein Subjekt vorstellen, das uns die Stirn bietet - anstatt ihn als ein Verhältnis zu empfinden, das uns hält - führt das dazu, dass man sich im Kampf gegen das Einsperren einschließt. Dass unter dem Vorwand der "Alternative" die schlimmsten Seiten der herrschenden Verhältnisse reproduziert werden. Dass wir beginnen, den Kampf gegen den Handel von Waren als Ware zu handeln. Dass der antiautoritäre Kampf Autoritäten gebiert, der Feminismus mit dicken Eiern daherkommt, antifaschistische Pogrome entstehen.

In jedem Moment nehmen wir aktiv an einer Situation Teil. In ihrem Inneren gibt es keine Subjekte und keine Objekte, nicht mich und die anderen, nicht meine Sehnsüchte und die Realität, sondern das Geflecht der Beziehungen, das Geflecht der Ströme, die sie durchqueren. Es gibt einen allgemeinen Kontext - den Kapitalismus, die Zivilisation, das Empire, wie man will -, einen allgemeinen Zusammenhang, der es nicht nur versteht, jede Situation zu kontrollieren, sondern, schlimmer noch, danach strebt, dass es immer öfter keine Situation gibt. MAN hat die Straßen und die Wohnungen, die Sprache und die Gefühle, und dann das weltweit vorgegebene Tempo, das all das umgibt, allein zu diesem Zweck eingerichtet. Überall tut MAN so, als ob die Welten einander nur streifen, sich nicht kennen, nicht beachten. Die "normale Situation" ist diese Abwesenheit einer Situation.

Sich organisieren heißt: von der Situation ausgehen, und sie nicht von sich weisen. In ihrem Inneren Partei ergreifen. Die nötigen materiellen, affektiven und politischen Solidaritäten in sie einweben. Das ist es, was jeglicher Streik in jedem beliebigen Büro, in jeder beliebigen Fabrik tut. Das ist es, was jede beliebige Bande tut. Jeder Maquis. Jede revolutionäre oder konterrevolutionäre Partei.

Sich organisieren heißt: die Situation bestehend machen. Sie real, fühlbar zu machen.

Die Realität ist nicht kapitalistisch.

Der in einer Situation eingenommene Standpunkt bestimmt das Bedürfnis, sich zu verbünden, und dafür gewisse Kommunikationswege aufzubauen, eine breitere Zirkulation. Diese neuen Verbindungen gestalten ihrerseits die Situation.

Die Situation, die uns bereitet wird, nennen wir "weltweiten Bürgerkrieg". Wo nichts mehr im Stande ist, die Konfrontation der vorhandenen Gewalten einzuschränken. Nicht einmal das Recht, das vielmehr als eine andere Form der verallgemeinerten Konfrontation auf die Bühne tritt. Das WIR, das sich hier ausdrückt, ist kein abgrenzbares, isoliertes WIR, kein WIR einer Gruppe. Es ist das WIR einer Position. Diese Position behauptet sich heute als eine doppelte Trennung: Trennung vom Prozess der kapitalistischen Inwertsetzung einerseits, Trennung weiterhin von all dem, was die simple Opposition zum Empire, und sei sie auch außerparlamentarisch, an Sterilität mit sich bringt; Trennung also von der Linken. Wobei "Trennung" weniger auf die praktische Verweigerung zu kommunizieren hinweist, als vielmehr die Neigung zu derart dichten Formen der Kommunikation, dass sie dem Feind überall dort, wo sie sich etablieren, den größten Teil seiner Kräfte entreißen.

Um es kurz zu machen, wir sagen, dass eine solche Position Anleihen nimmt bei den Black Panthers wegen der Kraft ihres Hervorbrechens, von den deutschen Autonomen wegen der Volxküchen, von den englischen "Neo-Ludditen" wegen der Baumhäuser und der Kunst der Sabotage, von den radikalen Feministinnen wegen der Wahl der Worte, von den italienischen Autonomen wegen der massenhaften Autoreduktionen, und von der Bewegung 2. Juni wegen der bewaffneten Freude.

Von nun an gibt es keine Freundschaft, für uns, außer politische.


Die Zeit des Aufstands
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