Avantgarde Und Mahnmal







„...Avantgarde und Mahnmal zugleich sein“ Materialien zum Museum der Verbotenen Kunst

Ausstellung im Grenzwachturm Schlesischer Busch

29. April bis 12. Juni 2011
Do bis So 14.00 - 19.00 Uhr
Eröffnung am 29. April 2011 ab 18.00 Uhr

Ein Projekt des Flutgraben e.V. in Kooperation mit Grenzläufte e.V.
Konzept und Realisierung: Christine Brecht und Elske Rosenfeld
Mit freundlicher Unterstützung durch das Kulturamt Treptow-Köpenick
Im Jahr 1990 eignen sich in Berlin-Treptow junge Leute einen Wachturm der DDR-Grenztruppen an und erklären ihn zum Museum der Verbotenen Kunst. Sie wollen dort Konzerte veranstalten und unangepasste Kunst zeigen, die in der DDR verboten war. Einer von ihnen ist Kalle Winkler, der als Jugendlicher in Ost-Berlin wegen seiner kritischen Lieder verhaftet und ausgebürgert wurde und so 1981 nach West-Berlin kam. „An dieser Stelle werden wir Avantgarde und Mahnmal zugleich sein“, schreibt er dem Museum ins Programm. Mit dieser grandiosen Anmaßung beginnt ein Prozess der Umcodierung, der noch immer andauert. Denn bis heute wird der Grenzwachturm im Schlesischen Busch als Ort künstlerischer Praxis genutzt, die seine Geschichtlichkeit thematisiert und mit Fragen nach der politischen Wirksamkeit von Kunst verknüpft. Mit der Ausstellung zum Museum der Verbotenen Kunst erschließt sich Flutgraben e.V. nun die Vorgeschichte der eigenen Nutzungspraxis.
Gezeigt werden zwei Installationen, die vorgefundene Materialien versammeln und in unterschiedlichen Formaten bearbeiten. Im Mittelgeschoss wendet sich Elske Rosenfelds Arbeit jener Kluft zu, die sich in der Biografie von Museumsgründer Kalle Winkler zwischen Versprechen und Realität des Sozialismus offenbart. Sie versucht eine Aneignung von Kalles Geschichte, die seinem zähen, dringlichen Glauben an ein solches Versprechen treu zu bleiben vermag. Im Obergeschoss nimmt Christine Brecht die Aktivitäten der Nachwendezeit in den Blick, als Kalle & Co in ihrem Museum auf unorthodoxe Art Themen wie die Gier nach Westgeld und die Öffnung der Stasi-Akten verhandelt haben. Aus Fotos, Presseberichten und anderen Zeitdokumenten entsteht eine vielschichtige Material-Schau samt Kommentaren und Querverweisen, die vor Ort erschlossen werden muss.
Wer will, kann die Ausstellung während der Laufzeit um eigene Kommentare und Materialien zum Museum der Verbotenen Kunst erweitern und auf diese Weise vervollständigen. Anfragen, Anregungen und Angebote nehmen die Ausstellungsmacherinnen per Email und zu folgenden Zeiten auch vor Ort entgegen:
30.4.2011 14.00-19.00 Uhr,
8.5.2011 16.00-19.00 Uhr,
21.5.2011 17.00-19.00 Uhr,
5.6.2011 14.00-17.00 Uhr.
–– Elske Rosenfeld arbeitet als Künstlerin, Kuratorin und Autorin zur Geschichte von 1989/90 und der Dissidenz in der DDR und Osteuropa. Kontakt: elskerosenfeld@googlemail.com
–– Christine Brecht ist Historikerin. Sie arbeitet und publiziert zur Zeitgeschichte Berlins und zu Theorie und Geschichte von Erinnern, Gedenken, Ausstellen. Kontakt: c.brecht@grenzlaeufte.de
–– Flutgraben e.V. verwaltet das Atelierhaus am Flutgraben, das circa 40 Studios internationaler KünstlerInnen beherbergt. Seit 2004 verantwortet der Verein zudem die Nutzung des Grenzwachturms Schlesischer Busch, macht ihn in den Sommermonaten der Öffentlichkeit zugänglich, und lädt TheoretikerInnen, PerformerInnen und KünstlerInnen zu Arbeitsaufenthalten ein. www.flutgraben.org
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