Ernst Bloch

II ZU FRAGEN DER ERKENNTNIS
ÜBER MOTORISCH-MYSTISCHE
INTENTION IN DER ERKENNTNIS
(Die Argonauten 1922)
Von nun an gebe man sich selber zu. (is it asked of us here?) Wir bringen uns herbei und tragen uns ein, lesen uns vor allem anderen ab. Unser Leben, unser Blick mische sich hinfort in die gedachten Dinge, sollen sie überhaupt noch gedacht werden können.
Denn wer selber nichts ist, trifft auch nichts mehr an. Die sich entäußern, sind ratlos mit allem ohnedies Leeren allein. Nichts geschieht und begreift sich mehr ohne unseren Beinamen ( What kind of work of language comes into sight here?), als welcher erst das Suchende, Leere, Gestörte, Dumpfe draußen durchdringt und den unabgelaufenen Kern darin möglicherweise entzündet. Dem bloßen Denken dessen, was ist, ohne uns ist (essence over against existence, an existence which is to find its essence), entweicht sein Objekt; zu uns ist alles geflohen, es zu bewegen, umzudenken, die unfertige Welt mithandelnd, mitentscheidend zu beraten und zu beschließen.
Will man zwar nur fassen, "was ohne uns ist (how would that be to grasp a use of language that would be without us)" und wie es war, so entfärbt dieses wieder, baut ab. Erst schon in demjenigen selber, der derart nur ohne sich forschen will. Hier geht alles Menschliche im Forscher darauf aus, nicht selber fühlbar zu werden. (das Menschliche im Forscher itself is oriented at hiding itself - the opposite of the Beinamen added to the world.) Was sittlich so armselig wie immer scheinen mag: die Welt zu nehmen, wie sie ist, das wurde einzelwissenschaftlich zur großen Tugend erhoben. Diese Denkfunktion beschränkt sich entweder, wie bei Mach, darauf, sich anzupassen, schließlich, wie bei Duhem, Poincaré, bloße Modelle, relativistische Gesichtspunkte zur Erläuterung der Anschauung zu liefen. Oder sie hat (gemäß Külpes kritisch realistischem Rechenschaftsbericht über das in den Realwissenschaften geübte Verfahren) aus Erscheinungen das gleichfalls von jeder subjektiven Introjektion frei zu haltende Reale zu setzen und zu bestimmen. Das heißt, dieses in seiner Unabhängigkeit vom erlebenden und auffassenden Ich, in seiner objekthaft imannenten Abgrenzung, Eigengesetzlichkeit zu erschließen und abzubilden.
Nichts an diesem Grün also, an einem einzelnen, gefärbten, lebendigen Ding kann nach letzterer Meinung als solches begriffen werden. (Stimmt?) Erst recht fallen, bei der abbauenden und als solcher eben wesensgemäß mechanisierenden, zweckmißtrauischen Betrachtungsweise, Fluß und originärer Auftrieb in den Objekten aus. Der Satz Du Bois-Reymonds: was nicht mechanisch erklärt sei, sei auch nicht wissenschaftlich verstanden, zeigt in vorzüglicher Weise den Idealtypus einzelwissenschaftlich-realistisch abgezielter Erkenntnis. Aus einer Zeit, da die auf die Anfänge, auf den Boden herunter radizierende Analyse ungestört herrschte und ungestört die ihr eingeborene »Weltanschauung«: Druck und Stoß, niederste Elemente, die menschenlose Nacht bloßer Mechanik, moralisches Nichts an Stelle des philosophischen Blicks setzen konnte. Lebenskraft, Neovitalismus im weiteren Sinn, Mommsens eingefühlte, nachfühlend eingesetzte Begeisterung, Rankes Ideen in der Geschichte – all dieses erscheint, einzelwissenschaftlich betrachtet, "mit traurigem Recht" als bedenklich, übergleitend, illegitim, als empirisch sich "gebärdende" bloße "Lückenbüßer" der Empirie, als aus Elementen noch philosophischer Einflüsse und Erinnerungen gebildet. Wobei freilich der rinnende Sand, der kalte Kreislauf, die introjektionsfreie Wert- und Sinnfremdheit des mechanischen Systems, kurz die gesamte Prägnanz einzelwissenschaftlicher Vernunft ebenfalls nicht aus sich besteht, sondern lediglich die – wenn auch noch so spärliche und abnehmende – Restlehre eines in der Welt fertig vorhandenen Zusammenhangs "verwaltet". Indes nun ist nicht nur in den organischen Objekten, sondern eben vor allem auch in der menschlichen Geschichte Einzelnes, Unabgeschlossenes, dem erlebenden und auffassenden Subjekt zutiefst Verwandtes am Werk. Am sichtbarsten rächt sich die Unterschlagung der bestehenden und einwirkenden qualitativen Introjektionen, diese Abschiebung der Welt des »naiven Realismus« in die bloß subjektiv-reflexive Sphäre am jeweils aktuellen, politischen Ende der Geschichte, sofern hier doch wieder bloßes Erleben, Geschehen hervortritt, sofern hier also das unweigerliche Decrescendo des einzelwissenschaftlich Zusammenfassenden, Theoretischen alle vorhergehenden Zusammenfassungen stört und die gesetzmäßige Komplettierung, Kodifizierung ersichtlich unfertiger Welt unmöglich macht. Dazu kommt im Tiefsten, daß das Aufschreiben dessen, was »ohne uns« ist und wie dieses war, das heißt, die gesamte Tatsachenlogik der vorgefundenen Welt, sich zunehmend von Ordnung, Dependenz und Inhärenz, von Funktionsgesetzlichkeit und nicht nur von »Substanzbegriff« zu entleeren beginnt. Daß also das Denken unabhängig vom erlebenden und auffassenden Subjekt zunehmend sein überhaupt erkennbares, der Erkenntnis fähiges Objektskorrelat verliert.
Denn wurden auch wir selber matt genug, so ist doch vor allem der äußere Lauf zu töricht geworden, um von Menschen noch verstanden zu werden. Zwar nicht Macht an sich, nicht die Bescheidenheit und das Mißtrauen gegen die Kraft des Gedankens übermäßig komplizierten und geistreichen Objekten gegenüber behält hier recht. Sondern das Denken könnte sehr wohl erschließen, könnte selbst noch jenes quantifiziert-mechanische Minimum »abbilden«, wenn nicht eben im solchergestalt angetroffenen einzelwissenschaftlichen Objekt selber auch das fremdgesetzliche Minimum zunehmend einstürzen wollte. Daher bestehen Mach, Duhem, Poincaré, der gesamte methodische Reflexivismus, nicht von vornherein, sondern nur am Ende einer realistischen Laufbahn, nur aus Gründen des vollzogenen »kritischen Realismus« rein einzelwissenschaftlich zu Recht. Die Bescheidenheit muß also ironisch werden; die menschlichen Betriebs- und Begriffsmittel können in der vorgefundenen, in der erreicht realen Welt nicht mehr verkehren; die Welt, von der der denkende Mensch ja ohnedies nicht wüßte, daß es eine gibt, wenn es sie nicht bereits (vorgefunden, aber geistig ungegeben) gäbe, die Welt wird nunmehr völlig inadäquat zum Gedanken, und selbst das Minimum an professoraler Kompliziertheit gerät ihrem nicht nur wertfremden, banalen, sondern auch kausal unzurechnungsfähig gewordenen Ablauf zu hoch. Immer schon war einzelwissenschaftliche Vernunft eine durch Schaden klug gewordene Phantasie; ein Überschlag, ein Idealtypus, ein »Idealismus«, der mit sich handeln läßt, wenn die von ihm als erkenntniswürdig akzeptierte, ihm allein maßgebliche Tatsachenwelt den Nachlaß, die Korrektur, den Schaden am Geist verlangt. Indes nun eben beginnt der Schaden so stark zu werden, daß das Hemmende, Verschüttende, auch Fragile des »mechanischen«, »apparatlichen« Verlaufs gefühlsmäßig erdrückt und doch geistig zunehmend entweicht; das heißt, sich als zu niedrig oder als zu schief gestellt zum Geist erweist, um selbst nur negative, mit dem Satansbegriff oder welch anderem Pakt immer geschehende Aussagen zu erlauben. Stärker als beim Prediger Salomo, stärker als bei Walther von der Vogelweide: »die Welt ist außen weiß, grün und rot, doch innen schwarzer Farbe und finster wie der Tod« – trifft das Denken der vorgefundenen realen Welt auf ein Nichts, auf ein gärendes, von Mattigkeit, Sinnverlassenheit, vielleicht bösem Chaos, vielleicht wetterleuchtendem Sternnebel erfülltes Nichts an den Objekten. Die Hemmung, die unendliche Öde, die Unwirklichkeit, Unbekanntheit Gottes ist die Musik im Gang der neueren Realität. Und doch: so sehr auch das menschliche Ich selber ermattet ist, so lebt doch in ihm, in dem ihm noch verbleibenden Denken der Seele, des utopischen Überschusses noch der Funke, allein noch der Funke, der über diese äußere und obere Leere hinaus schlägt, hinüber schlagen kann. Das Intendieren auf den Stern, auf eine Freude, auf eine Wahrheit hinter, gegen die Welt ist die einzige Rettung, noch Wahrheit zu finden; die Frage nach uns ist das einzige Problem, und die Stellung, Enthüllung, Lösung des Selbst- und Wirproblems in allem ist die letzterdings einzige wichtige Aufgabe, Resultante und Idee, der Pol und Grundbegriff der utopischen Philosophie. Derart also: das Intendieren auf die geheime, noch nicht seiende Freude über unserem Haupt müßte erst dann gänzlich versagen, wenn auch dasjenige in uns, was noch nicht geleuchtet hat, bereits geleuchtet hätte; wenn mit anderen Worten die neue, letzte, die motorisch-mystische Intention und Weltüberschreitung bereits an der absolut alogischen Realentscheidung alles noch nicht Seienden ihren Meister gefunden hätte, die Signatur ihrer völligen Vergeblichkeit und Reflexivität. Das aber ist nicht der Fall, (here there is also mention of a Signature. The motoric-mystic intention is that which points to what is over our heads, and which has not shone yet and therefore, therefore, has not been refuted. This is a double negative.) weder die Verzweiflung noch der tätige Wunschtraum in uns sind bisher ausgelöscht, noch können wir selber und etwas in uns die Welt überleuchten, sie ist noch keine dezidierte Hölle, kein mechanisch absolutes Umsonst.
Darum also gebe man sich handelnd selber mit. Nur insoweit wir sie leben, sie durch uns gefärbt sind, schlagen sich die Dinge noch auf. Der mitwollende Mensch unterzieht sich, zuerst selbst noch unter dem Glas stehend, aus dem er trinkt. Dieses Mitwollen, wie es in die Dinge hineinschwingt, steht jeweils vor einer Sache, nicht bereits über ihr, sondern an ihrer Tür, mit uns durch sie hindurch zu gehen, sie vom wollenden, erlebenden Ich abhängig zu machen.
So ziemt uns, nicht mehr nur gewissenhaft zu sein, sondern zu ahnen, wozu, und Gewissen zu haben. Die Zeit ist gekommen, um den Primat der praktischen Vernunft, um die Forschung nach dem, was die Welt in Wahrheit sei, im Hinblick auf die eigentliche, auf die moralisch-mystische Evidenz der Wahrheit, um die Erkenntnislehre und Metaphysik gedachter Hoffnung rein, allergreifend zu installieren. Die bestehende Welt ist nicht wahr, das Nichtwissen ist der einzige Grund der Erscheinung dieser Welt; aber die menschliche Sehnsucht in beiderlei Gestalt: als Unruhe und als Traum, ist das Segel in die andere Welt, in das schließliche Wissen, Anlangen im Jetzt und Gewußtsein von seinem, unserem Gott.
Als erste Weise des Mitwollens gibt sich das drängende Intendieren mit dem Einzelnen. Wir mischen uns ein, in das Pochen der Dinge, und sie strömen darin neu bewegt, angefacht auf sich selber zu. Unsere Tempi stürzen verstärkend, Zeiger vordrehend, in den schläfrigen Gang der weltlichen Zeit, sie zu überholen. Eine zurückwollende und vorauf wirkende Bewegung kommt auf, die nichts mehr als bereits endgültig geschehen hinter sich läßt, und nichts mehr als über uns kommend, als unbeherrschbar zukünftig, als ein vom Menschenwillen unabhängiges Schicksal anerkennt. Unser Wille hat dieser Art keine Grenzen; alles, haben wir erst den genauen Anschluß, die integrale Kameradschaft mit dem Willen der Objekte, alles ist bewegbar, ja ungeschehen, zu neuem, nochmals aufbrechendem Geschehnis bereit. Unser miterlebendes Wollen, wie es das Pochen des Einzelnen verstärkt, läßt derart die Merkmale, die Eigenschaften, Zustände, das Einzelne am Allgemeinen über dieses überschäumen. Und solchergestalt hat in der motorischen Intention das a posteriori erweiternde, das verstärkt implizierende oder revolutionär synthetische Urteil seine kräftigste Wurzel. Die bloßen Eigenschaften blühen unterhalb der scheinbaren Krone weiter und darüber empor; das Einzelne brennt hindurch, das vorige, beherrschte Attribut wird zur Substanz, die Beschleunigung, geschichtsklitternd, geschichtsphilosophisch, stürzt überall, in allen Sphären, die Säulen des ancien régime, des unwahren Realstatus und seiner bloß komparativen Reallogik um. Was sonstwie von rein begrifflichem Umschlag erwartet wurde: Jene Dialektik, die uns noch untätig beläßt, sich rein objektsironisch darstellt, hat sich – außerhalb eines bloß heuristischen Überschlags und außerhalb des gleichfalls heuristischen »Gesamtplans« der Realität - Realem gegenüber als untauglich und Irrweg erwiesen. Hier dagegen, in diesem Überholen, im Motorischen der revolutionär-synthetischen Methode, bildet die formale Logik die Form zwar vor; aber stärkste lebendige Kräfte brechen danach ein und feuern, wie die Bewegung aus Intensiven stammt, so auch genau und homogen wieder die Intensitäten, die verwirklichenden Funktionen in der Objektsschicht an. Der Wille zur Beschleunigung, die motorische und intensive Intention ist ein erster Akt des Willens zur Wahrheit und darauf gerichtet, die Objekte vom auffassenden, geschichtsphilosophischen Ich abhängig zu machen. In ihm kommt die neue, die unterbrechend-unterbrochene, die winklig geräumige, die eminent menschenhafte, geschichtsphilosophische Zeit, der Stoß des Jetzt, unser Aktionsradius in allem, die gänzlich verschiebende, auch Zukünftiges nahebringende Perspektive herauf, In kräftigster Überwindung der ein für allemal setzenden, gegen Vergangenes wie Zukünftiges hilflosen und passiven Uhrzeit des außermenschlichen Geschehens. Jedoch freilich zuletzt: das selber bloß intensive Intendieren kann sich dadurch, daß es immer nur wieder Gleiches, das ist: selber Intensives, objekthaft bewegt, antrifft und anzutreffen vermag, nicht beruhigen, nicht in einer eidetischen Fassung anlangen und sich erfüllen.
Mithin ist alle Unruhe leer, wenn sie nicht als zweite Weise des Mitwollens den Traum mit sich führt. Die beschleunigende, motorische, intensive Intention setzt, damit sie anlange, als zweites Gerichtetsein das eingedenkende Wollen, die mitintendierte Hoffnung, die entscheidende, mystische, intuitive Intention, die Richtung und kategoriale Fassung des im Haupt jedes Objekts wesenden Traums, des noch nicht bewußten Wissensinhalts, des zutiefst unkonstruierbaren Selbstproblems im Kern jedes Objekts. Wir kehren hier zu uns selbst ein, das Wollen hört damit auf, leer, endlos und nur undeutlich erhitzt, ohne Auge und Gehör, dahin zu treiben. Das Jetzt aber, mit dem mystisch ausgegangen wird, setzt sich auseinander, seine Bilder, klar abteilenden Sammlungen werden ihm auseinandergesetzt. Die Dinge werden hier also – im Begriff der verwandelnden, heimbringenden, wahrhaft konstitutiven Erkenntnis – nicht nur beschleunigt, sondern auch in ihrem Letzten gesammelt und darin erhellt. Es wird ihnen ihr Bild, ihre Kategorie, ihr Anblick in eigentlicher Wahrheit vorgehalten, und sie strömen in diesen Spiegel, in die konstitutive Idee ein, die an sich »unkräftig« ist, durch die sich die Objekte aber in sich selber logisch informieren, damit sich ihre Unruhe daran substanzial nähre und schließlich fasse. Aber dabei bleibt durchaus bewußt: das Jetzt ist die letzte Tiefe, ist der nicht nur alles bewegende, sondern auch alles enthaltende Augenblick, das noch verhüllte omnia ubique jedes Objekts. Und das Jetzt, die Erlebniswirklichkeit, die Aktualität, das sich in Existenz Befinden tritt hinter allen kategorialen Sammlungen, ja schließlich hinter allen sphärischen Abteilungen, mithin hinter allen Rationalisierungen und Formsymbolen der intuitiven Spezieslehre, als eigentliches Wirproblem wieder hervor, tritt an das zunächst noch kategorial ontologische Licht. Wie die motorische Intention eine neue Zeit, unseren Rhythmus in den Verlauf einsetzte, so ist die mystische Intention, dies Eingedenkende im beschleunigenden Mitwollen, darauf gerichtet, die Objekte vom entscheidenden, wertphilosophischen Ich abhängig zu machen, und so bringt sie dadurch als wesentliche Kategorialerzeugung einen neuen Raum, ein anderes Zusammen, eine gekündigte, nach allen Seiten umgebrochene, aufgebrochene Kategorial- und Sphärenordnung der unfertigen, durch Philosophie entscheidend zu beschließenden Welt.
Aber freilich eben kann wiederum nur die Unruhe das Bild, wie es ihr der gedachte Traum zeigt, verwirklichen, sich mit sich selber decken lassen. Ist "das tätig Intensive endlos und blind", so ist das Intuitive, so sehr es Halt und erste Landung des Intensiven in ablesbaren Spezies gibt, in geistig sammelnden, doch an sich nur Durchgang, Sparbüchse, Papiergeld, einbruchsreife Aufspeicherung und Sammlung für die Tage letzter Not. Das kategoriale Buch muß schließlich intensiv verzehrt und nicht nur intuitiv vernommen werden (it seems, if the "wir-problem" coincides with that work of by-name) (that in the end seems to be a summaric gesture), so the philosopher taking upon the work of the messiah, that there is a destructive element to it (also with regard to "entzünden"), which again would relate to a specific conception of history and something like a human time - an experience of temporality that seems to be ascribed to the human being}}; es müssen die Kategorien selber in ihrer letzthinnigen Fassung gegessen und in sich ebenfalls »überholt« werden: damit aus der vom intensiven Subjekt immerhin noch entfernten Evidenz ein intensiv und darin ontisch gewordenes Gegenwärtigsein, ein mit ihrem Gold, ihrem selber intensiven Kern gedecktes, identifizierbares Gegenwärtigsein von Personen entstehe. So ist das Verhältnis zwischen Daß und Was, zwischen Kraft und Geist keineswegs als das der einfachen Beziehung von Wille, der verwirklicht, und Vorstellung, die erfüllt, zu fassen. Sondern die Sehnsucht als Unruhe ist tief, übertrifft letzthin noch die Tiefe der Sehnsucht als Traum und dessen Inhalte; verwirklicht also das sich am Geist ergreifende Intensive den Geist, so verwirklicht es darin doch zuguterletzt nicht diesen, vielmehr eben sich selbst, dies kategorial allein Gemeinte, das dunkle Jetzt in allem. Anders gesagt: das Verhältnis zwischen Intensivem und Intuitivem, weiterhin eidetisch Kategorialem ist deshalb so kompliziert, weil das Einzelne, das trägt und verwirklicht, stets zugleich auch noch hinter dem eingedenkend Allgemeinen, das regelt und in sich begreift, wiederum als allein Gemeintes hervortritt, weil also das Verwirklichende, intensiv Intendierende durch das von ihm realisierte Eidetische hindurch lediglich seinen eigenen, daran gewiesenen Kern realisiert. Das bloß Allgemeine, dies nur Assignatenhafte wird dabei nicht an sich, am Allgemeinen selbst, sondern am alleinigen Essenzgold des Nächsten, Einzelnen, Augenblicklichen, Intensiven zur Deckung gebracht. "Das endlich angelangte Einzelne ist selber und allein das Allgemeine"; die endlich mit sich selbst gedeckten, ausgezahlten, erfüllten Intensitäten sind und bleiben selber, wie vor der Kategorie das Rätsel, so auch nach der Kategorie die allein gemeinte Lösung: das Daß »ist« das letzte Was, ist das Drängende, Innervierende, Subjektive, Intensive, ja das Luziferische ist selber und im Grunde allein das Parakletische. Denn die Hierarchie der Ideen ist verschwunden; und die bislang oberste, das ist: vom Subjektiven entfernteste Kategorie, bleibt gerade deshalb am wenigsten »oberste« Kategorie, gewährt gerade deshalb am wenigsten letzte Erkenntnis – der fälligen Endzeit entsprechend, "wo das Göttliche endgültig ins Nächste einrückt", in unser aller sich in Existenz Verstehen.
Daher also trifft, wer selber nichts ist, auch draußen nichts mehr an. Der Einzelwissenschaft bleibt sinngemäß zumeist nur die bequeme, elastische Art, sich den Gang und Bau der empirischen Welt gerade noch zurecht zu legen. Die Philosophie dagegen setzt statt Rechnungsansatz Gewissen, das durch den Schaden erst recht nicht klug wird, erst recht nicht aufhört zu fordern. Und sieht sich derart, damit sie objektiv und erst recht, damit sie konstituierend, auf Reales auftreffend, konstitutiv sei, vor allem auf das stellvertretend utopische Menschsein, Seelesein, Gewissen, Gewußtsein des Philosophen zu Beginn und zu Ende aller Methodik angewiesen. Die Sauberkeit des formallogisch präformierenden Verfahrens und seiner Sachverhaltschicht vorausgesetzt (auf andersartigen, auf reinen Denkevidenzen beruhend), ist das philosophische Evidenz-, Objektivitäts- und Realitätsproblem wesensgemäß ein Problem vorhandener Seele. Als des Einzigen, das sowohl das Erkennen führt, ihm seine spezieshafte Objektivität letzthin gründet, wie auch des Einzigen, das noch im zu Erkennenden west, das ihm seine Erkennbarkeit gibt. Das derart als sich noch bewegender, sich noch unenthüllter, intensiver Kern der Objekte sowohl das völlig Adäquierende, Realisierende wie die völlige Adäquation, Realität dem erkannten Objektiven hinzugibt, mithin das Moment noch möglich totaler Erfüllbarkeit der utopischen Philosophie in die Objektseite hineinlegt. Der Philosoph also reist nicht wie Münchhausen, von dessen Anwesenheit keines der beschriebenen Länder etwas verspürte, sondern er ist dazu gehalten, Baaders tiefer Forderung zu genügen: gleich einer Sonne über allen Kreaturen aufzugehen, damit er ihnen zur Manifestation eines Gottgleichen verhelfe. Und die ernennende, aufdeckende, schöpferisch informierende, schließlich identifizierende Kraft der Philosophie ist so groß, daß selbst das völlig enthüllte Jetzt, die vollkommene Vergegenwärtigung unserer gelebten Gegenwart, daß selbst noch dieses ehedem als Werk des Messias und der allverwandelnden Apokalypse Gedachte als Werk der Identifizierung ein philosophisches Werk darstellt. (the _work_ of identification takes over the coming of the messiah. The work of identification is the becoming-one of the Beinamen and the world.)