Der Vorstand konstituiert sich selbst.



Online workshop
Künstlerhaus Büchsenhausen
Dienstag, 30. März, 17 – 20 Uhr
Mit Inga Zimprich, Sönke Hallmann,
Elske Rosenfeld

Es lag mir daran, daß diese Texte immer in einer Beziehung oder vielmehr in möglichst vielen Beziehungen zur Wirklichkeit stehen: nicht nur daß sie sich darauf beziehen, sondern daß sie darin wirken; daß sie ein Stück in der Dramaturgie des Wirklichen seien.
Michel Foucault: Das Leben der infamen Menschen


In Gesetzestexten, wie zum Beispiel der Vereinssatzung, einer Geschäftsordnung oder dem Grundgesetz, treten Momente der Adressierung auf, in denen der Übergang zwischen Einzelnem und formalisierter Allgemeinheit ablesbar ist. Der Stimme, dem Stimmrecht, der Anwesenheitspflicht oder der Unterzeichnungsbefugnis haftet noch die Spur direkter Rede und direkter Verhandlung an und markiert doch ihren Übergang hin zu den Formen, in denen sich Gemeinschaft organisiert.

Im Verein verschreiben sich zum Beispiel wechselnde Einzelne der Umsetzung eines bestimmten Zieles; über Rotation und Wahlen treten sie an austauschbare Positionen, die dem Erreichen eines gemeinsamen Zieles und dem grundlegenden allgemeinen Nutzen verpflichtet sind. Ähnlich verhält es sich mit globalen Instanzen wie den Vereinten Nationen, die in ihrem Regelwerk Verfahren entwerfen, in denen die Nationalstaaten der Welt miteinander in Verhandlung treten. Wie verhält sich jedoch ein juridischer Text, in dem Verfahren, Handlungen und Rechte eingeschrieben stehen, selbst als Text? Lassen sich aus Gesetzestexten heraus Stimmen und Handlungen lösen, die, miteinander in Beziehung gebracht, eine Art Aufführung erzeugen können?

Der Workshop am 30. März nutzt das Department of Reading, eine Verschaltung von Skype-Chat und Wiki-Seite, in dem Exzerpte gemeinsam bearbeitet, diskutiert und umgeschrieben werden können. In einem erweiterbaren Textpool finden sich Auszüge unter anderem der Statuten der Tiroler Künstlerschaft, der Shedhalle Zürich, des Flutgraben e.V. sowie der Vereinten Nationen, des Stadtrechtes Innsbruck und des Entwurfes zur Verfassung der DDR. Anhand solcher Begriffe wie Stimme und Einschreibung, Mitgliedschaft und Ausschluss wird das Reading am 30.04. von 17:00 bis 20:00 Uhr versuchen, zwischen diesen unterschiedlichen Textfragmenten Bezüge herzustellen.

Die Teilnahme ist mit einem Internetzugang und einem Skype-Account vor Ort wie auch online möglich. Aufgrund des technischen Settings des Department of Readings wird um Voranmeldung bis zum 26.04.2010 gebeten.

Inga Zimprich/Faculty of Invisibility arbeitet zu den Vereinten Nationen als exemplarischer Instanz, um Prozesse von Institutionalisierung nachzuvollziehen. Die darin vorkommenden Sprachpositionen finden in der künstlerischen Produktion der Faculty of Invisibility neuen Einsatz.

Das Department of Reading wurde 2006 von Sönke Hallmann als Lesegruppe gegründet, die in verschiedenen Internet-basierten und räumlichen Settings existierende Texte bearbeitet und mittels Kommentar, Einrückung, Auszug und Umschrift verändert.

Elske Rosenfeld befasst sich mit der Geschichte und Geschichtsschreibung der DDR und insbesondere von 1989/90 als politischem Möglichkeitsraum und hat in diesem Zusammenhang auch den Verfassungsentwurf des Runden Tisches von 1990 bearbeitet.
 
Satzung
Faculty of Invisibility
Edit this page