Recherchegruppe


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Krankheit zur Waffe
Recherchegruppe Gesundheitswesen

Alice Münch, Feli Reuschling, Inga Zimprich, Ingela Johansson, Johanna Gustavsson, Julia Bonn, Julia Entner, Isabell Gross, Kornelia Kugler, Tijana Stevanovic

Vorherrschende Konzepte von Gesundheit und das Gesundheitswesen umgeben uns unsichtbar und reichen als Regierungspraxen weit in unsere Leben hinein. Nationalstaatliche Sicherungssysteme werden zunehmend ökonomisch restrukturiert und sind ein Mittel der Grenzziehung all jenen gegenüber, die sich außerhalb ihrer nationalen und wirtschaftlichen Kriterien befinden. Gesundheit betrifft uns ganz unmittelbar, physisch und emotional in akuten Situationen, die wir selbst und unsere Angehörigen erfahren, und in denen wir uns oft mit einem Gefühl von Machtlosigkeit und Abhängigkeit konfrontiert sehen.
Weil wir als Künstlerinnen zu Gesundheit und Gesundheitswesen arbeiten wollen, initiieren wir zunächst eine gemeinsame Recherche, in der wir unseren Fragen nachgehen: Welches Konzept von Gesundheit/Krankheit, Versehrtheit/Heilung liegt unserer Gesellschaft zugrunde? Wie ist das Gesundheitswesen strukturiert, wie funktionieren seine Ausschlüsse, nach welchen ökonomischen Prinzipien ist es geordnet? Wie verhalten sich unsere individuellen Körperpolitiken dazu? Warum fehlt es uns an kollektiven Sorgepraxen? Wie tief ragt das gesellschaftlich vermittelte Verständnis eines fitten, gesunden Körpers in unsere Lebensführung hinein? Sind Künstlerinnen jung, weiß, leistungsfähig? Welche verdrängte Wissen um Gesundheit können wir bergen? Welche anderen gemeinsamen Sorgestrukturen sind denkbar?

Einerseits möchten wir als eine sich ermächtigende Gruppe zu Gesundheit arbeiten und über das Gesundheitswesen lernen, auch um uns den strukturellen Ungleichheiten, die dieses Feld prägen (zwischen Ärzt_innen und Patient_innen, zwischen Kranken und Gesunden etc) zu widersetzen. Andererseits möchten wir unseren persönlichen Erfahrungen Raum geben und unsere Verletzlichkeit, Grenzen und Empfindungen auch in Bezug auf unser Arbeiten als Künstlerinnen politisch verstehen lernen.
Außer der direkten Frage nach den gesellschaftlich vorherrschenden Konzepten von Gesundheit, und unseren Wünschen nach anderen Modellen und Formen gesellschaftlichen Wohlergehens, handelt die Recherchegruppe auch davon, gemeinsam Formen des Lernens und Wissens zu entwickeln. Auch wir als Gruppe bilden einen Wissenskörper, den wir befragen, aber auch stärken wollen.
Durch unsere gemeinsame Recherchearbeit möchten wir zu einer Gruppe werden, die voneinander lernt und gemeinsam über ein Wissen verfügt, mit dem wir zukünftig auf neue gemeinsame Arbeiten schließen können, ob in Form von Heften, Praxen, Handlungen oder Ausstellungen.
 
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Gesundheitsprojekt