Kollektive Zusammenhänge verknüpfen


Hier eine Zusammenfassung über die Fragen und Möglichkeiten weiter zu sprechen, die sich im ersten Gespräch herauskristallisiert haben. Eingeladen haben wir zunächst im kleineren Kreis von Flutgraben, Raumerweiterungshalle, Interflugs, Fakultät null, Selbstuniversität, Kottishop und cultural producers, die sich mit dem Thema auseinandersetzen. Um lose Enden zu verknüpfen. Nächstes gathering der kollektiven Zusammenhänge soll Ende des Sommers stattfinden.
– Diskurs um Selbstorganisation weiterführen: Was war das Versprechen der Selbstorganisation, an welchen Stellen wurde es unterminiert, wie kann sie überhaupt unter sich verändernden Bedingungen der Arbeitswelt weiterhin aufrechterhalten werden? Sollten wir erstmal neue Begriffe für unsere Praxis finden? Wie unterscheidet sich Selbstorganisation von Kollektivität, und meinen wir oft eher Kollektivität (oder kollektive Selbstorganisation?), wenn wir von Selbstorganisation sprechen? Evtl. lohnt es sich, die Begriffe genauer zu fassen, selbstorganisiert sind wahrscheinlich ja auch die Start-up-Businesses ihren Co-working-spaces.
– Ressourcen verknüpfen: praktisches mapping, wer kann welche Ressourcen (Erfahrung, Arbeitskraft, Raum, Honorar, Technik) bieten und untereinander austauschen, mit dem Ziel der gemeinschaftlichen inhaltlichen/strukturellen Arbeit und Kooperation zwischen den existierenden Gruppen und Initiativen. Bereits generiertes Wissen um kollektive, selbstorganisierte Prozesse teilen und weitergeben. Strukturen schaffen, um miteinander im Gespräch zu bleiben!
– Frage nach Verhältnis von eigener (künstlerischer) Praxis und kollektiver Praxis - gibt es ein schwindendes Interesse an der Beibehaltung einer individuellen Praxis? Haben wir in kollektiven Struggles unsere Künstler_innenidentitäten verloren?
– care & maintenance work: wie bleiben wir körperlich und psychisch gesund, sind kollektive Zusammenhänge nicht auch Grundlagen für gegenseitige soziale Verantwortlichkeit, Schutz, Freundschaft, Freizeit? How to stay sane collectively? Ist Kontinuität in kollektiven gender-sache? Wer macht die Care-work? Was für eine Zeitlichkeit brauchen wir dafür?
– Was ist eine kritische Öffentlichkeit? Wer ist unser Publikum? Vielleicht kann man auf einen Teil der Öffentlichkeit/Repräsentation nach außen verzichten (auf den nämlich, in dem kritische Diskurse zwar repräsentiert werden, aber keine Praxis sind). Projektmüdigkeit und die Problematik der Repräsentation sind Ansatzpunkte, von denen aus wir uns damit auseinandersetzen wollen, für wen und mit wem wir produzieren und diskutieren. Wie kann solidarisches Handeln zwischen verschiedenen selbstorganisierten Projekten aussehen? (Und, eher an die Diskussion im Workshop-Treffen anknüpfend: wie kann solidarisches Handeln im Kunstfeld aussehen?)
– Nachdenken über konkrete ökonomische Modelle: wie müsste eine gemeinschaftlich organisierte Struktur aussehen, die materielles Auskommen für die Beteiligten schafft? Wie lassen sich Professionalisierung vs. Verweigerung ebensolcher miteinander verhandeln? Wie können die kollektiven Zusammenhänge wachsen, oder wie können sie sich in die nächste Generation weiterverknüpfen?
– Fragen von kollektiver Arbeit, die aufkamen, drehen sich darum, wie kollektive Prozesse sichtbar gemacht werden (z.B. bei Filme-Machen), wie kann man kollektive Lesen/Schreiben, wie schaffen wir es eine intitutionelle Praxis herzustellen, die eine verbindliche, stabile Struktur, über akademische Strukturen hinaus ermöglicht? Wie ist das tradierbar? Welche Arbeit der Re-politisierung von selbstbestimmten, gemeinschaftlich-organisierten Praxen ist nötig?
Unterm Strich:
Wir wollen weiterhin nachdenken über Bildungsmodelle / Bildungsattrappen / Inverse Institutions, die folgendes bieten: – Strukturen und Kontinuität – konkrete ökonomische Modelle exemplarisch durchrechnen – Schutzraum für soziale Bedürfnisse – gemeinsam nutzbare Ressourcen
Wir wollen kein neues Projekt, sondern ein kontinuierliches Gespräch über geteilte Anliegen: wie arbeiten wir, wie arbeiten wir zusammen? Was für ein Gespräch ist es, das wir hier anfangen? Wie können wir die Verknüpfungen ernstnehmen? Was ist das für eine Arbeit? Aus diesem allgemeinen Gespräch sollen sich idealerweise konkrete Vorhaben entwickeln. Im Flutgraben ist im September ein Workshop geplant, dazu wollen wir uns weiter treffen und Inhalte diskutieren.