PROJEKT



Projekt(1)

I

1. Die Gewichtigkeit des Projekts: Wir alle sind uns bewusst, dass wir uns einer extremen Bewegung innerhalb der Zeit annähern, etwas, das ich einen Zeitenwechsel nennen würde. Damit wird nicht nur auf besondere Möglichkeiten historischer Umwälzungen verwiesen (in Frankreich eine Regierung, die unentwegt bedroht ist von den Kräften, die sie selbst herbeigerufen hat; in der Welt die Berlin-Frage und viele andere); sondern viel schwerwiegender: Es bedeutet, dass sämtliche Probleme von internationaler Dimension sind und dass auch die geringsten internationalen Probleme unlösbar werden, denn sie dienen nur dazu, einen Spannungszustand zu erhalten und zum Ausdruck zu bringen, welcher dergestalt ist, dass der Rückgriff auf die traditionelle Idee des Friedens radikal ausgeschlossen ist und ein Krieg – ein guter klassischer Krieg – wie das Nachlassen dieses Spannungszustands erscheinen könnte (daher die Kriegsspannung).

Zu einem solchen extremen Moment der Zeit daran zu denken, eine neue Zeitschrift zu gründen, die bloß interessanter oder besser als die anderen wäre, müsste wie ein Hohn erscheinen. Es ist also notwendig, dass ein solches Projekt ohne Unterlass in seiner eigenen schwerwiegenden Bedeutsamkeit versammelt ist, welche darin besteht, auf das bedeutsame Rätsel, das der Übergang von einer Zeit zu einer anderen darstellt, eine Antwort zu geben.

2. Dieser Verweis aufs Wesentliche muss sich durch den Verweis auf eine Reihe von Prinzipien ausdrücken:
– Das Projekt ist wesentlich kollektiv, denn es liegt auf internationaler Ebene. Was nicht heißt, dass wir ein Denken suchen, das allen, allen Teilnehmern gemein wäre, sondern dass wir, indem wir unsere Anstrengungen und unsere Fragen und unsere Mittel zusammenführen, vor allem aber indem wir im Inneren über unser eigenes Denken hinauswachsen, neues Denken freisetzen können.
Daraus ergibt sich, dass die Leitung ohne Einschränkung kollegial sein und dass jeder sich voll und ganz daran beteiligen muss, nicht nur indem er seine Zustimmung gibt, sondern indem er tatsächlich arbeitet, indem er seine Vorstellungen, seine Zeit zur Verfügung stellt und sein Denken von nun an auf die Umsetzung des Vorhabens ausrichtet. Falls wir nicht voll und ganz zu dieser kollektiven Anstrengung entschieden sind, ist es besser, nichts zu unternehmen. Andererseits ist es möglich, dass eine kollegiale Leitung in praktischer Hinsicht undurchführbar ist; das kann sein; dann lassen wir eben ab davon, aber das müssen wir durch unsere Erfahrung bestätigt sehen, und falls es sich um eine Utopie handelt, müssen wir hinnehmen, auf utopische Weise zu scheitern.
– Die Zeitschrift wird keine Revue sein;(2) sie wird nicht in Form eines Rundblicks den kulturellen, literarischen und politischen Aktivitäten unserer Zeit Ausdruck verleihen. Sehr wenige Dinge sollten uns in dieser Zeitschrift interessieren, oder, anders gesagt: Wir sollten nicht den Eindruck vermitteln, dass wir uns für alles interessieren, neugierig auf alles sind. Oder noch anders gesagt: Wir dürfen uns nur für das Ganze interessieren, da wo das Ganze auf dem Spiel steht, und wir müssen dieses Interesse und diese Leidenschaft für das Ganze immer wieder finden; und dann müssen wir uns fragen, ob das wesentliche Interesse sich nicht auch auf das richtet, was außerhalb dieses Ganzen, außerhalb von Allem liegt.
– Diese Zeitschrift wird also keine Kulturzeitschrift sein: Das Interesse, das wir zum Beispiel der Literatur entgegenbringen, ist kein Interesse der allgemeinen kulturellen Bildung; wenn wir schreiben, dann nicht, um Kultur und Bildung zu bereichern. Wichtig ist uns eine Wahrheitssuche, oder auch ein gewisser gerechtfertigter Anspruch, vielleicht eine Forderung der Gerechtigkeit, für welche die literarische Bejahung, durch ihr Interesse am Mittelpunkt, durch ihren einzigartigen Bezug zur Sprache wesentlich ist.
– Auf praktischer Ebene sollte sich das in der Bedeutung ausdrücken, die der zentralen Chronik beigemessen wird, um welche herum sich alles Übrige der Zeitschrift organisieren sollte – in der Bedeutung, die dem Ton der Zeitschrift beigemessen wird, ihrer Sprache, ihrer Form – durch den Ausschluss von allem, was sekundär ist (Lektürenotizen etc.).

II.

1. Eine Zeitschrift kann der Ausdruck einer bereits bestehenden Doktrin oder auch einer unabhängig davon existierenden Gruppe sein (Surrealismus).(3) Sie kann dazu dienen, latenten, aber noch undeutlichen Tendenzen Form zu verleihen; sie kann schließlich ein kollektives schöpferisches Werk der Überschreitung sein; ein Werk von Anforderungen, die eine bestimmte Richtung nehmen, und welches allein durch die Tatsache, dass die Zeitschrift existiert, jeden, der sich daran beteiligt, ein wenig jenseits seines eigenen Weges führt und vielleicht sogar auf einen Weg, der ein wenig anders als derjenige ist, den er allein eingeschlagen hätte. Jeder wird verantwortlich für Behauptungen, deren Autor er nicht ist, für eine Suche, die nicht einzig die seine ist, er vertritt ein Wissen, das er ursprünglich nicht durch sich selbst besitzt. Das ist der Sinn der Zeitschrift als kollektive Möglichkeit. Sie nimmt eine Stellung zwischen Leser und Autor ein. Von hier aus ergibt sich die Notwendigkeit einer großen gemeinsamen Arbeit und, da Einstimmigkeit weder möglich noch wünschenswert ist, die Notwendigkeit, Diskussion und Dialog in der Zeitschrift selbst fortzusetzen.

2. Für das derzeitige Zeitschriftenprojekt besteht diese Notwendigkeit in besonderem Maße; als Zeitschrift, die international ist, muss sie dies auf wesentliche Weise sein; nicht nur multinational, auch nicht universell im Sinne einer abstrakten Universalität, die Problemen eine nur unbestimmte und leere Identität verleiht, sondern als Ort und als Mittel, um die literarischen, philosophischen, politischen und sozialen Probleme, so wie sie sich in den Bestimmungen jeder einzelnen Sprache und im jeweiligen nationalen Zusammenhang stellen, zu gemeinschaftlichen werden zu lassen. Was voraussetzt, dass jeder auf ein exklusives Recht, diese Probleme zu besitzen und sie in den Blick zu nehmen, verzichtet und anerkennt, dass diese Probleme auch allen anderen gehören, und somit akzeptiert, sie in der gemeinsamen Perspektive zu betrachten.

Eine Zeitschrift also nicht nur des Austausches, sondern ein Raum der Fragen, der Diskussion und des Dialogs.

3. Trotz allem muss es einige Prinzipien geben, die von allen angenommen werden und von denen ausgegangen wird.

In Bezug auf den politischen Horizont: Einerseits geht es darum, alles in Frage zu stellen, da wir übereinkommen, uns auf grundlegende Weise Fragen über unsere Zeit zu stellen und anstreben, dem Wort Frage seine ganze Kraft, seine Würde zu geben und selbst den Wert der Frage in Frage zu stellen.

Andererseits geht es nicht darum, auf bloß skeptische oder leichtfertige Weise oder unter dem Vorwand, dass die Geschichte uns keine sicheren Beweise oder sicheren Ergebnisse geliefert hätte, alles in Frage zu stellen. Zum Beispiel: Was immer unsere persönlichen Entscheidungen in Bezug auf den Marxismus sein mögen, wir lehnen uns nach wie vor an den Marxismus, bleiben auf ihn gestützt, und sei es, um ihm zu widersprechen. Die Notwendigkeit, au einem bestimmten Moment jedes Problem so zu denken, als sei es einzig ein politisches Problem, sodann im gleichen Moment jedes Problem nicht als rein politisches zu denken, sondern so, dass ein allumfassender Anspruch ins Spiel gebracht wird, den man nicht einfach nur politisch nennen kann - diese Notwendigkeit ergeht aus dem Marxismus als Dialektik, jedoch ohne dass wir dazu verdammt wären, die marxistische Dialektik zu wiederholen.

4. Der Anspruch der Literatur und der Künste: Die Literatur und die Künste können durchaus einer Kritik (beispielsweise) marxistischer Art unterzogen werden, das ist durchaus akzeptabel und sogar notwendig, unter der Voraussetzung, dass diese Kritik neue Dinge sagt und nicht einfach müde Gemeinplätze wiederkäut. Aber wir müssen auch anerkennen, dass zumindest die zeitgenössische Literatur nicht nur eine eigene Erfahrung bildet, sondern eine grundlegende Erfahrung, die alles mit einbezieht und in Frage stellt, sich selbst eingenommen, die Dialektik eingenommen, denn wenn es richtig ist, dass die Dialektik sich der Literatur bemächtigen und sie ihrer Bewegung dienstbar machen kann und darf, so trifft es zugleich zu, dass die literarische Weise der Bejahung der Dialektik entgeht, ihr nicht angehört. Die Literatur stellt eine Macht besonderer Art dar, welche vielleicht nicht allein der Möglichkeit untersteht (aber nur die Möglichkeit hat etwas mit der Dialektik zu tun): Die Kunst ist unendliches Bestreiten, Bestreitung ihrer selbst und Bestreitung der übrigen Formen der Macht - und dies nicht in bloßer Anarchie, sondern in der freien Suche der eigentümlichen Macht, die die Literatur und die Künste darstellen (Macht ohne Macht).

Um sich sehr kurz gefasst und schematisch auszudrücken, kann man die Literatur also ansehen:
– als die Behauptung der Werke: Die Bewegung in Richtung des Werks ist wesentlich rätselhaft;
– als Suche ihrer selbst, eine Erfahrung, die keiner Beschränkung unterworfen werden darf, keiner dogmatischen Überwachung, da sie eine Bestreitung von schöpferischer Natur ist, die sich selbst bestreitet allein durch die Kraft der Schöpfung;
– als Suche der Suche selbst, in der vielleicht etwas anderes als die Literatur spricht. (Die Literatur, selbst die rein genannte, ist mehr als Literatur; warum? welches ist dieses Mehr? warum erfüllt sich die Literatur nicht durch die notwendige Illusion, mehr als sie selbst zu sein, als Behauptung einer außerliterarischen »Wahrheit«?).

5. Es scheint, dass hieraus eine nicht zu schmälernde Differenz, sogar eine fehlende Übereinstimmung zwischen der politischen Verantwortung folgt, die eine zugleich globale und konkrete Verantwortung ist und die den Marxismus als Natur und die Dialektik als Wahrheitsmethode akzeptiert - und der literarischen Verantwortung, einer Verantwortung, welche die Antwort auf einen Anspruch ist, die nur in und mittels der Literatur Form annehmen kann.

Die fehlende Übereinstimmung muss nicht von vornherein abgebaut werden. Sie ist gegeben; sie existiert als Problem, nicht als ein leicht zu nehmendes Problem, sondern als eines, das schwer zu ertragen ist, umso schwerer, als die beiden Seiten, die nicht übereinstimmen, uns auf absolute Weise in die Pflicht nehmen und ihre Dissonanz uns in gewisser Weise ebenfalls in die Pflicht nimmt.

6. Dennoch gibt es Elemente einer Lösung; eine der Aufgaben der Zeitschrift ist es, diese zu vertiefen.

III.

Es handelt sich um eine Zeitschrift, in der es keine Trennung gibt zwischen dem Teil der Kritik und dem Teil der Anthologie, weil das kritische Verständnis hier genauso wesentlich erscheinen muss wie die schönen Texte oder die Lektüretexte und weil diese Texte hier implizit die Aufgabe der Kritik (aber nie diejenige der Illustration) übernehmen können und umgekehrt.

Der intellektuelle Lauf der Dinge
Ich glaube an die Notwendigkeit einer Chronik oder Rubrik, die von jeder Redaktion kollektiv und unter Zuhilfenahme von Elementen der ausländischen Redaktionen erstellt wird und die eine gewisse Vorstellung vom intellektuellen Lauf der Dinge gibt. Diese Chronik, die implizit oder explizit sein kann, verfolgt auf freie Weise, also in variierter Form, unterschiedliche Absichten: Sie bietet zunächst eine gewisse literaturkritische Information, indem sie einen Überblick über die erschienenen Bücher vorstellt, und zwar in Frankreich mit einem Schwerpunkt auf italienische, deutsche, englische Bücher, während der französische Teil stark reduziert ist oder sich in die Gesamtheit auf komparatistische Weise einfügt (da die Wochenzeitungen oder andere Zeitschriften diese Titel bereits bekannt machen); diese Chronik sollte auch und vielleicht vornehmlich dieses oder jenes intellektuelle Ereignis hervorheben, das entweder von philosophischer oder poetischer oder soziologischer Art ist (Entwicklungen im Verlagswesen, Zeitschriftenartikel usw.).

Natürlich gehören auch die anderen Künste in diese Chronik. Jedoch glaube ich, dass es für die Musik, die Malerei usw. wichtiger ist, dass es von Zeit zu Zeit eine eingehende Untersuchung über dieses oder jenes Problem gibt, mit oder ohne Bezug zur Aktualität.

Zudem sollte es kritische Anmerkungen über die französischen oder ausländischen Bücher geben, die uns einer gesonderten Beachtung wert erscheinen, und zwar außerhalb des Laufs der Dinge. In der »Chronik« sind die Werke Teil der Entwicklung, des Werdens. In jenem anderen Teil sind sie bloß noch sie selbst.

Der Lauf der Welt
In einer Chronik, die der ersten entspricht, aber natürlich von anderer Form ist und die ebenfalls variiert, finden kurze Texte ihren Ort, die einen Dialog eröffnen, so z.B. »Äußerungen« über die politische Zukunft oder die allgemeine Entwicklung der Welt: Reflexionen von Schriftstellern über das Abenteuer Gagarins etwa, seine Bedeutung, die Verwendung des Wortes »Vaterland« durch Chruschtschow, das erste Wort im Weltraum usw.

IV.

'Memorandum über den »Lauf der Dinge«
Es ist notwendig, dass wir das, worüber wir uns bezüglich der Ausrichtung und der Struktur des »Laufs der Dinge« geeinigt haben, genau zusammenfassen, um es unseren ausländischen Freunden(4) vorzulegen. Wir müssen noch einmal zwei Punkte besonders herausstreichen:

1. Der Sinn der Zeitschrift liegt im Versuch, eine neuartige Möglichkeit vorzubereiten, welche es dem Schriftsteller erlauben würde, die »Welt« und alles, was in der Welt stattfindet, zu sagen, aber dies als Schriftsteller zu tun, in der ihm eigenen Perspektive und in der Verantwortung, die ihm einzig aus der Wahrheit des Schriftstellers zuwächst: Also eine Form der Verantwortung, die ganz anders ist (wenngleich nicht weniger wesentlich) als diejenige, die auf brutale Weise die Verhältnisse von Literatur und öffentlichem Leben seit 1945 bestimmt hat und die unter dem zu einfachen Namen des »Sartre'schen Engagements« bekannt ist. Insbesondere folgt daraus, dass die Zeitschrift sich nicht direkt für die politische Wirklichkeit interessieren kann, sondern dies immer auf indirekte Weise tut. Diese Suche nach dem »Indirekten« ist eine der großen Aufgaben der Zeitschrift, wobei natürlich gilt, dass die Kritik, die »indirekt« ist und über den Umweg agiert, keine bloß andeutende oder elliptische Kritik ist, sondern eine radikalere Kritik, die zum verborgenen Sinn der »Wurzel« vordringt (Beispiel: die Spiegel-Affäre interessiert uns nicht wegen der Regierungskrise, die sie ausgelöst hat, und auch nicht wegen der Eingriffe der politischen Autoritäten in die Justiz, sondern wegen all der Bedeutungen, die hier unterschwellig zugrunde liegen: Mythos des militärischen Geheimnisses; Notwendigkeit und Anforderung, alles zu sagen, ohne Rücksicht auf irgendwelche Opportunitäten; die Bekräftigung einer Autorität und die Verantwortung der Schriftsteller usw.).

2. Die Ausrichtung und Bedeutung der Rubrik »Der Lauf der Dinge« muss durch ihre Struktur und ihre Form enthüllt und manifestiert werden: A.) Diese Rubrik muss den gesamten Verlauf der Ausgabe begleiten, welche mit ihr beginnt und von ihr beschlossen wird. Da diese Rubrik jedes Mal, wenn Texte eines anderen Formats auftreten, unterbrochen wird, muss man sie an einem speziellen Zug identifizieren können. Wir schlagen deshalb vor, dass jeder Text dieser Rubrik nummeriert wird, so dass die Nummernfolge die diskontinuierliche Kontinuität dieser Rubrik bestärkt und sie als »Serie« aufgefasst wird. B.) Es wird darum gehen, in dieser Rubrik eine Kurzform auszuprobieren (in dem Sinne, der diesem Begriff in der zeitgenössischen Musik gegeben wird). Damit soll nicht nur gesagt werden, dass jeder der Texte kurz sein soll (eine halbe bis drei oder vier Seiten), sondern gleichsam ein Fragment bildet, das nicht notwendigerweise seinen ganzen Sinn in sich selbst enthält, sondern eher auf einen allgemeineren, noch kommenden Sinn hin geöffnet ist oder aber den Anspruch auf eine wesentliche Diskontinuität annimmt. In dieser »Kurzform« – ein sehr schwieriger Versuch – wird jeder, wir wiederholen es, alles behandeln, was ihm unter all dem, was geschieht (oder auch nicht geschieht), wichtig ist: poetische, philosophische, politische Fragen, solche, die von der intellektuellen Aktualität ausgelöst werden, wissenschaftliche, allgemeine, solche, die sich auf noch unsichtbare Weise ankündigen, oder aber spektakuläre, solche, die Büchern entstammen, oder solche, die sich aus dem täglichen Leben ergeben. C.) Die Struktur dieser Rubrik muss derart sein, dass sie außer den Kommentartexten (den »Fragmenten«) andere Texte enthält, die in anderer Schrift gesetzt sind und so etwas wie Relais bilden: a) Zitate (z.B. Aby Warburg: »Der liebe Gott steckt im Detail«;(5) oder: »Durch tausende und abertausende Kreise und ohne einen Schritt zu machen, immer wieder zum gleichen Punkt zurückkehren« (Theaitetos(6)); b) Arten von Aphorismen (Aphorismen des Denkens eher als solche des Stils); c) vor allem auf sehr nüchterne Weise abgefasste Informationen, die nicht so sehr Informations- als Bedeutungswert haben: Eine Art Tageskalender, der von einigen wenigen Ereignissen gebildet wird, die den »Lauf der Dinge« skandieren und deren Auswahl, für die wir verantwortlich zeichnen, notwendigerweise parteiisch also bedeutsam sein muss (Beispiel: die Spiegel-Affäre ist ein Ereignis, aber die letzten Wahlen in Frankreich sind kein Ereignis. Die Zensurhandlungen, die sich in letzter Zeit in Frankreich gegen einige Bücher gerichtet haben, fallen unter diese Auswahl, die Literaturpreise natürlich nicht). Jede unserer Redaktionen müsste also eine Reihe von »kurzen Informationen« zusammenstellen, über die wir diskutieren und auf die wir uns während unserer Zusammenkünfte einigen. Das ist etwas Wichtiges, da es sich darum handeln wird, auf eigenes Risiko der offiziellen und offensichtlichen Geschichte die Elemente einer wahrhaftigen und stärker verschlossenen Geschichte entgegenzusetzen, und da es auch darum gehen wird, das Ereignis in seiner Brutalität und Nacktheit als Kommentar selbst einzusetzen, in der Brutalität, die das Starre (ein wenig Tendenziöse) der Form verstärkt, die wir ihm geben werden. Es wäre notwendig, dass unsere Korrespondenten in den Ländern des Ostens und in den angelsächsischen und spanischen Ländern bereit sind, hieran mit Bedacht mitzuarbeiten.

V.

Über die Übersetzung
1. In gewisser Weise wird der Übersetzer der wahre Schriftsteller der Zeitschrift sein. Das Problem der Übersetzung muss also in Verhältnis zur Zeitschrift gedacht werden, und dies von den ersten Ausgaben an. Dem Übersetzer droht die Gefahr, zu jemandem zu werden, der allzu leichtfertig vereinfacht. Die Sprachen sind niemals einander zeitgenössisch: Wie hält man in einer Übersetzung die Differenz der historischen Ebenen aufrecht? Gleiches gilt für die Probleme der Dialekte: Die deutsche Literatursprache und insbesondere die poetische Sprache ist oft eine dialektale Sprache; nun ist aber das Problem der Übersetzung von Dialekten, wie mir scheint, niemals auf angemessene Weise gelöst worden. (Desgleichen glaube ich, dass die italienische Sprache nicht auf die gleiche Weise vereinheitlicht ist wie die französische.) Leyris,(7) Bonnefoy.(8) Für Letzteren sind die schlechten französischen Shakespeare-Übersetzungen der Vergangenheit an einen impliziten metaphysischen Gegensatz gebunden.

2. Die Übersetzung als eigenständige Form der literarischen Tätigkeit. Der Übersetzer ist der heimliche Meister der Differenz der Sprachen, nicht um diese Differenz aufzuheben, sondern um sie zu benutzen, um in der eigenen Sprache die Anwesenheit dessen zu erwecken, was es im ursprünglichen Werk an Differenzen gibt. Der Übersetzer, ein nostalgischer Mensch, der in seiner eigenen Sprache all das als Mangel verspürt, was das Geschriebene des ursprünglichen Textes ihm als mögliche Behauptung verspricht: Indem es beispielsweise das Französische als ihm Entzogenes enthält, jedoch an dieser Beraubung reich ist.

3. Das Beispiel Hölderlin: Der Mensch, der fasziniert ist von der Macht zu übersetzen. Die Übersetzungen der Antigone und des Ödipus, Werke am Rande des Wahnsinns, ausgeführt in der wohlüberlegten Absicht, weder den griechischen Text ins Deutsche zu übertragen, noch die deutsche Sprache zu den griechischen Quellen zurückzuführen, sondern die beiden Gewalten (Orient, Okzident) in der Einfachheit einer totalen und reinen Sprache zu vereinen. Zuletzt ist Übersetzen Wahnsinn. (Vielleicht Laplanche …)(9)

Die Zeitschrift wird aus Fragmenten bestehen, nicht aus Artikeln (der Essay auf der Suche nach einer Form). Vereinfachend kann man sagen, dass es vier Arten von Fragmenten gibt: 1. Das Fragment, das bloß der dialektische Moment eines größeren Ganzen ist. 2. Die aphoristische Form, auf dunkle Weise gewaltsam, die als Fragment bereits komplett ist. Der Aphorismus ist etymologisch der Horizont, ein Horizont, der abschließt und nichts öffnet. 3. Das Fragment, das an die Beweglichkeit der Suche, an das reisende Denken gebunden ist, das sich in getrennten Behauptungen vollzieht und die Trennung fordert (Nietzsche).(10) 4. Schließlich eine Literatur des Fragments, die sich außerhalb von Allem situiert, entweder weil sie annimmt, dass sich das Ganze bereits verwirklicht hat (jede Literatur ist eine Literatur des Endes aller Zeiten), oder weil neben den Sprachformen, in denen das Ganze sich bildet und gesprochen wird, Rede des Wissens, der Arbeit und der Erlösung, sie eine ganz andere Rede erahnt und sie das Denken davon befreit, nur Denken in Hinblick auf die Einheit zu sein - anders gesagt, sie fordert eine wesentliche Diskontinuität. In diesem Sinne ist jede Literatur das Fragment, ob sie kurz oder unendlich ist, unter der Bedingung, dass sie einen Raum der Sprache bezeichnet, in dem jedes Moment den Sinn und die Funktion hat, alle anderen unbestimmt zu machen oder aber (das ist die andere Seite) wo eine Behauptung auf dem Spiel steht, die auf keinen vereinheitlichenden Vorgang zu bringen ist.

(Natürlich kann diese Frage des »Fragments« auf ganz andere Weise betrachtet werden, aber ich halte sie für wesentlich, insbesondere für dieses Vorhaben. Es handelt sich immer wieder um die Frage der Zeitschrift als Form, als Suche nach der eigenen Form.)

Nun aber folgende Überlegung zu unserem Projekt: Wir sprechen immer von Themen, von Fragen, aber sind wir sicher, dass die »Welt« thematisierbar ist? Vielleicht gibt es einen tiefgehenden Athematismus, den wir beispielsweise erkennen, wenn wir uns weigern, über jemanden, der uns nahe ist, zu sprechen, ihn in ein Thema, in den Gegenstand einer Überlegung zu verwandeln, und einzig akzeptieren, mit ihm zu sprechen. Von daher die entschiedene Abneigung dagegen, zum Jäger von Fragen, zu einem Gestrüpp aus Fragen zu werden, und mehr noch dagegen, andere Schriftsteller zu nötigen, die Welt nur noch als Gegenstand von Fragen für eine Zeitschrift zu sehen. Es gibt da sicher etwas Gewaltsames, vielleicht eine Anforderung, die man für sich selbst ertragen, aus der man aber keine glückliche und zwingende Methode machen kann.

Weitere Überlegungen: Die »Fragen«, die für die Zeitschrift von Belang sind, werden sich unterscheiden: a) durch die Gegenstände oder Themen, b) durch die Behandlung dieser Themen, c) durch die Weise, in der sich die Texte als eine Gesamtheit organisieren, d) aber auch durch die Form oder das Wesen der Fragen. Was muss man unter diesem Form- oder Wesensunterschied verstehen? Es gibt beispielsweise Fragen, die ihren Ursprung in einer unbedeutenden, verkannten Tatsache haben, aus der man eine wichtige Bedeutung herausarbeiten kann (Übergang vom Impliziten zum Expliziten), die dadurch droht, die Tatsache selbst zu zerstören. So scheint es mir, dass das Alltägliche den wesentlichen Zug an sich hat, sich nicht greifen zu lassen, zu entfliehen, es gehört dem Unbedeutenden an, ist ohne Ereignis, ohne Gegenstand, darin liegt seine Tiefe.(11) Weitere Arten von Fragen: solche, die sich bereits als ausgearbeitet und als bedeutsam erarbeitet präsentieren (die Entstalinisierung); was machen wir damit? Weigern wir uns, ihnen als solchen Interesse entgegenzubringen? Versuchen wir, sie nur indirekt zu behandeln, sie nur auf Umwegen, von geringfügiger Seite aus anzugehen, oder aber indem wir sie zerstückeln? Das sind Voreingenommenheiten, die zu reduzieren sind. Zuletzt gibt es noch Grenzfragen, die man nicht stellt, die immer unter Vorbehalten stehen und die mau verrät, sobald sie Gegenstand einer besonderen Problemstellung werden. An diesen Stellen entwickelt sich auf gleichsam geheime Weise eine neue Art der Befragung, als gäbe es ein Fragen, bei dem man fragend mehr fragt, als man fragen kann, mehr, als es die Macht des Fragens erträgt, mehr, als es Fragen gibt. Exzess des Fragens über die Macht des Fragens. Vielleicht kann nur das einsame Nachdenken durch das, was sich in der Literatur als Werk zum Ausdruck bringt, eine solche fragende Forderung, die eintritt, gerade wenn es keine Fragen mehr gibt, empfangen und in sich bewahren.

– Die Eroberung des Weltraums: Reflexionen über den »Ort«. Was man als entscheidend erahnt hat, im Moment, da der Mensch zum Weltraummenschen wurde, ist die Tatsache, dass mit dem »Ort« gebrochen wurde: Im Prinzip hat ein Mensch außerhalb jedes Horizonts und in der Absolutheit eines beinahe homogenen Raumes existiert. Diese Freiheit, die (wenn auch noch illusionär) in Bezug auf den Raum errungen wurde, diese Art von Erleichterung, die der menschlichen Substanz durch die Ablösung vom Ort zuwuchs, verlängerte und vollendete zwischenzeitlich die Arbeit der Technik und erschütterte hierdurch die sesshaften Zivilisationen, zerstörte die Partikularismen der Menschheit und führte den Menschen aus der Utopie der Kindheit hinaus (falls diese die Rückkehr zum Ort sucht).(12)

Aber kaum hatte Gagarin allem Anschein nach den Ort verlassen, da grüßte ihn Chruschtschow im Namen der Erde, seines »Vaterlandes«. So sieht der Staatsmann im Kosmonauten nicht denjenigen, der den Ort in Frage stellt, sondern denjenigen, der ihm die Weihe seines Ansehens verleiht.

1. Der Bezug zum Außen wurde nicht auf radikale Weise verändert, sondern nur in phänomenologischer Hinsicht. Die Rede als einziges Verhältnis mit dem alten Ort: Der Kosmonaut muss sprechen, er muss unentwegt sprechen.

Sicher, die Technik birgt Gefahren, aber weniger als die »Geister des Ortes«. Vielleicht gibt es etwas gegen den Paganismus zu sagen, in welchem sich der Anti-Christianismus verbirgt – Heidegger'scher Paganismus, poetischer Paganismus der Verwurzeltheit. Die Wahrheit ist nomadisch.

– Boulez und Mallarmé. Pli selon Pli. Der Vortrag von Boulez in Donaueschingen,(13) in der er die Inkompatibilitäten der Poesie-Musik darlegt. Ausgehend von diesen Inkompatibilitäten ist ein Zusammentreffen möglich. Boulez glaubt, diesen Punkt der Begegnung in den verbalen, rhythmischen, architektonischen Strukturen und ihren musikalischen Äquivalenzen zu finden. Die gesamte Schwierigkeit liegt in dem Wort Äquivalenz. Man ist auf das Wittgenstein-Problem verwiesen: Jede Art von Sprache besitzt eine Struktur, zu der man als Gegenstand in dieser Sprache nichts sagen, von der man aber in einer anderen Sprache handeln kann, welche selbst wiederum eine Struktur besitzt, der man sich nur in einer weiteren Sprache widmen kann …

2. Die neue Behandlung des Textes in der zeitgenössischen Musik.

3. Auch stellt sich die sehr schwierige Frage des Verhältnisses der »modernen« Literatur und der »modernen« Künste. Gibt es zwischen ihnen Bezüge, die weniger oberflächlich sind als die allgemeine kulturelle Annäherung von Einstein, Picasso, Joyce, Schönberg?

- Der Mythos des Gelehrten. Wenn Teilhard de Chardin seine gewagten Synthesen erarbeitet,(14) versäumt er nicht, auf im Übrigen eher naive als anmaßende Weise zu sagen: Ich verlasse nicht den Bereich der wissenschaftlichen Beobachtung; ich spreche als Gelehrter. J. Charon,(15) der die Auffassung de Chardins bekräftigt, nach der es keine Teilchen ohne Seele gibt, stellt diese Hypothese einer universellen Psyche (die bereits Nietzsche vorgebracht hatte) als eine wissenschaftliche Entdeckung dar. Wann hört ein Gelehrter also auf, Gelehrter zu sein? Wie kann man beispielsweise Modelle des Alls oder Ganzheitstheorien wissenschaftlich nennen?

– Fragen, die man Büchern entnehmen kann: Das wilde Denken,(16) das Buch von R. Pernoud über das Bürgertum,(17) das Buch von Ellul über die Propaganda,(18) das Buch von Leroi-Gourhan über die anthropologischen Strukturen des Imaginären,(19) dasjenige von Fanon über die Gewalt.(20)

– Der in der Romanliteratur ganz bequem durch den Polizeiblick ersetzte Standpunkt Gottes: Die Polizei sieht und weiß alles (Chesterton, Orwell, Colrado Alvaro, Graham Greene, die Romane des nouveau roman, Robbe-Grillet, Uwe Johnson). Denn das Rätsel wird heute weniger als eine Angelegenheit der individuellen Innerlichkeit denn als ein öffentliches Rätsel aufgefasst. Wenn alles aufgedeckt ist, entzieht sich immer noch etwas.

Hat die Möglichkeit einer totalen Zerstörung dazu geführt, dass der Begriff der Gewalt seinen Sinn geändert hat? Was ist der revolutionäre Sinn der Gewalt, im Hinblick darauf, dass sie ständig in radikale Zerstörung umzuschlagen droht? Steht diese Frage in Zusammenhang mit der Entstalinisierung?

– Untersuchung der Entstalinisierung vom Standpunkt der Sprache. Welche Veränderungen hat sie in der Sprache der Politik ausgelöst? Einige neue Ausdrücke, der Personenkult, die friedliche Koexistenz, die konkrete Sprache Chruschtschows, aber hat sich die offizielle Sprache geändert?

– Die Rolle des Radios in Deutschland, d.h. die Möglichkeiten und Verführungen, die es für den deutschen Schriftsteller darstellt, eine Situation, die sich weder in Frankreich noch in Italien in vergleichbarer Form finden lässt. England, Amerika?

– Der Niedergang des Mythos vom unbekannten Soldaten, gerade in seinem Fortbestehen. Der unbekannte Soldat, das ist der Antiheld, der unbemerkt Gebliebene, der dunkle Wiedergänger, der im Gedächtnis des Volkes als Vergessener verblieb. Das Denkmal der Nicht-Erinnerung, die Apotheose des Namenlosen.

– Reflexionen über die Form dessen, was man »Zeitschrift« nennt: 1. Eine kleine historische Studie; vielleicht könnten wir etwas lernen über die Entwicklung dieser Veröffentlichungsform in den verschiedenen Kulturländern; 2. Die surrealistische Zeitschrift, die eine der echten Schöpfungen dieser Bewegung war; 3. Kritik jeder Zeitschrift. Kollektive Veröffentlichung, aber ohne wirklich kollektive Struktur, oder dogmatische Zeitschrift, Demonstrations-Instrument und Kampfesmittel, Organ einer Partei oder einer Schule, aber kein Mittel der Suche oder der Forschung. Der Erscheinungsrhythmus, eine rein arbiträre Bedingung: wie »das Zergehen des Werkes«,(21) die Sorglosigkeit der Zeit in eine periodische Veröffentlichung einführen? Wie können literarische Texte, die sich auf keine Einheit bringen lassen, ihren Platz in der Anordnung einer Gesamtheit finden, die eine Zeitschrift darstellt (usw.)?

– Texte der Kritik: die Stellung Blochs im aktuellen deutschen Denken. Ein unveröffentlichter Text von Bloch.
– Die kulturelle Abschottung in Frankreich, in Italien.
– Die französische Verlagsstruktur …

1 Diese umfangreiche Skizze zum Projekt der Internationalen Zeitschrift ist eine von mehreren Entwürfen, die zum Großteil in Briefwechseln oder als Protokolle von Arbeitstreffen zwischen 1960 und 1963 entstanden; eine erste Veröffentlichung erfuhr der Text in der dein Zeitschriftenprojekt gewidmeten Sondernummer von Lignes (Nr. 11, 1. Serie, November 7990).
2 »Cette revue ne sera pas une revue«.
3 Die surrealistische Bewegung hat ab 1919 eine Reihe von Zeitschriften hervorgebracht: Littérature, La révolution surréaliste, Le surréalisme au service de la revolution, La Brèche, L'archibras.
4 Die Zusammensetzung der drei nationalen Gruppen war schwankend, aber man kann als wichtigste Vertreter nennen: Italo Calvino, Pier Paolo Pasolini, Elio Vittorini sowie Ingeborg Bachmann, Hans Magnus Enzensberger, Günter Grass, Uwe Johnson, Helmut Heißenbüttel, Peter Rühmkorf, Martin Walser. Zur französischen Gruppe gehörten Robert Antelme, Maurice Blanchot, Michel Butor, Louis-Rene des Forêts, Marguerite Duras, Michel Leiris, Dionys Mascolo, Maurice Nadeau.
5 Vgl. Aby Warburg, Ausgewählte Schriften und Würdigungen, hrsg. von Dieter Wuttke, Baden-Baden: Körner, 1992, 3. Auflage, S. 618.
6 Vgl. die Schleiermacher-Übersetzung des Platonischen Dialogs: »Und so werdet ihr genötigt sein, tausendmal denselben Kreis zu durchlaufen, ohne etwas damit zu gewinnen« (200c).
7 Pierre Leyris, Übersetzer von Hawthorne, Yeats, Goethe, Pater, Byron, Blake, Melville, Bronte, Dickens, Eliot, de Quincey, Shakespeare, hauptsächlich für den Verlag Gallimard.
8 Yves Bonnefoy, Essayist, Dichter und Übersetzer; als solcher bekannt vor allem für seine Shakespeare-Übertragungen seit 1956.
9 Vgl. Jean Laplanche, Hölderlin et la question du père, Paris, PUF, 1901 [Hölderlin und die Sache nach dem Vater, übers. von Karl-Heinz Schmitt, Stuttgart, Bad Cannstatt, Frommann-Holzboog, 1975].
10 Vgl. auch den Text »[Die möglichen Eigenschaften]«, in diesem Band S. 99ff.
11 Vgl. den Text, den Blanchot der ersten und einzigen Ausgabe der internationalen Zeitschrift, nun Gulliver genannt und 1964 voll der italienischer Zeitschrift Il Menabò aufgenommen, in einer Übersetzung von Gabriella Zanobetti »II quotidiano«, beigesteuert hat (S. 2G0-2G1). Dieser Text, in Il Menabò schlicht in mehrere Abschnitte gesetzt, wird 1969 in L'entretien infini als Ende von »La Parole quotidienne [Das alltäglich Gesprochene]« eine »Konklusion in Dialogform«, wie als Gedächtnis der verlorenen Pluralität der Zeitschrift. Er endet wie folgt: »[...] Der alltägliche Mensch ist der atheistischste aller Menschen. Er ist so geartet, dass Gott keine Beziehung zu ihm haben könnte. Und daher versteht man, wie der Mensch der Straße jeder Autorität entgeht, ob diese politisch, moralisch oder religiös ist. /– Es ist so, dass wir im Alltäglichen weder geboren werden noch sterben: Daher stammen das Gewicht und die rätselhafte Gewalt der alltäglichen Wahrheit. /– In dessen Raum es jedoch weder wahr noch falsch gibt« (S. 366).
12 Vgl. Maurice Blanchot, »La conquista dello spazio«, übersetzt von Guido Nero, in: Gulliver, I, S. 10-13. Vgl. die Übersetzung von Emanuel Alloa »Die Eroberung des Raumes« auf http://www.atopia.tk. Das französische Original konnte nicht mehr aufgefunden werden.
13 Vgl. Pierre Boulez, »Poésie-centre et absence-Musique«, in: Melos 30, 2 (1963) S. 33-46.
14 Vgl. Pierre Teilhard de Chardin, Le phénomène humain, Paris, Seuil, 1956 [Der Mensch im Kosmos, München, Beck, 2005]. 15 Jean Emile Charon, La Connaissance de l'univers, Paris, Seuil, 1961.
16 Claude Lévi-Strauss, La pensée sauvage, Paris, Plon, 1962 [Das wilde Denken, übers. von Hans Naumann, Frankfurt/Main, Suhrkamp, 19681.
17 Vgl. Régine Pernoud, Des origines aux temps modernes, Paris, 1960.
18 Jacques Ellul, Propagandes, Paris, Colin, 1962.
19 Blanchot meint offensichtlich das Werk des Anthropologen und Prähistorikers Gilbert Durand, Les structures anthropologiques de l'imaginaire. Introduction à l'archétypologie générale, 1960 in Grenoble veröffentlicht (später Paris, PUF, 1963.
20 Vgl. u.a. Franz Fanon, Les Damnés de la Terre, Paris, Maspéro, 1961 [Die Verdammten dieser Erde, übers. von Traugott König, Frankfurt/Main, 1966].
21 »désœuvrement«; »Werklosigkeit«, auch »Muße«.

Das Projekt einer Zeitschrift
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