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Ich lese sehr langsam. Ich lese unheimlich langsam, Wort für Wort, als würde ich einen ganz dünnen Text über den Text legen.
2
Als wäre das buchstäbliche Einfinden meiner Stimme im Text ein weiterer Akt des Schreibens, der diesen Text erst zu Ende bringt.
3
Die Stelle, an der der Text sich an ein Außen wendet, an dem er ganz und gar ins Ungewisse entlassen wird, das bin ich.
4
Mir kommt es vor, als wäre die Spur, die ich im Lesen ziehe, schon vorher eingelassen in den Text.
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Ich gehe nur den Rand entlang. Wie eine Naht. Ich füge dem Gesagten nichts hinzu außer dem Sagen selbst.
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7
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8
Ein guter Text zeichnet sich für mich dadurch aus, dass er den richtigen Ton trifft. Dass er sich, wie das Aufblitzen einer Spur, in mir abzeichnet, wenn ich ihn lese.
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Wenn ich ihn hingegen ein anderes Mal ganz andere Wörter betone, scheint das dem Text vollkommen egal zu sein. Wie er vielleicht seinen Lesern gegenüber von vorneherein gänzlich gleichgültig sein muss.
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Wie jeder Leser ja auf seine Art die zweite Spur ist, oder eine weitere Spur ist, die sich durch den Text zieht.
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Und doch fällt es mir schwer, mich auf das Wir, das diesem Lesen innewohnt, ganz zu berufen.
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