Rita





Ich lese sehr langsam. Ich lese unheimlich langsam, Wort für Wort, als würde ich einen ganz dünnen Text über den Text legen. Weil jeder Leser ja auf seine Art die zweite Spur ist, oder eine weitere Spur ist, die sich durch den Text zieht.
Mir kommt es oft vor, als wäre die Spur die ich (im Lesen) nachziehe, schon vorher ganz so in den Text gelassen und als bräuchte es nur noch mich, um ihn zu Ende zu bringen. Die Stelle, an der der Text sich an ein Außen wendet, an dem er ganz und gar seinem Ungewissen entgegengeht, (noch ganz gebündelt aber schon nicht mehr zugehörig, entlassen, ins Ungewisse entlassen) bin ich.
Ich gehe nur den Rand entlang. Wie eine Naht. Ich füge ich dem Gesagten nichts hinzu außer dem Sagen selbst. Und doch muss ich manchmal auch einen halben Schritt zurückspringen, wenn der Text mir zu (sehr vorauseilt) voreilig ist.
Ein guter Text zeichnet sich für mich dadurch aus, dass er den richtigen Ton trifft. Dass er sich, wie das Aufblitzen einer Spur, in mir abzeichnet, wenn ich ihn lese.
Betonung
Wenn ich ein zweites Mal entlang gehe und andere Wörter betone, das scheint dem Text völlig gleichgültig zu sein. Wie er vielleicht seinem Leser gegenüber von vorneherein ganz gänzlich unbeteiligt sein muss. So wie es mir vollkommen unmöglich ist, mich auf ein Wir, das diesem Lesen innewohnt, zu berufen.



Tools

Edit - History - Print - Recent Changes - Search
Page last modified on December 06, 2011, at 10:19 PM
Search: