PROJEKT EINER ZEITSCHRIFT


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Notwendigkeit einer minimalen Übereinstimmung























diese Forderung der Übereinstimmung ist auch eine Unterbrechung sozusagen, die erhöht auch den Einsatz, die Verbindlichkeit
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"Ich wäre glücklich, in dieser (...) Perspektive (...) zusammenzuarbeiten (...) unter der Bedingung natürlich, dass die Übereinkunft nicht nur zwischen uns allein besteht, sondern zwischen all den Intellektuellen, die sich dessen, was heute auf dem Spiel steht, ganz und gar bewusst sind. Es ist diese Übereinstimmung, die durch eine neue Zeitschrift dargestellt werden müsste." (Blanchot) Es ist meiner Ansicht nach heute ebenso wichtig präzis die paar Punkte zu benennen, um die es heute (in der Welt und im Denken) geht, und erst dann sich ins "Projekt" zu stürzen, oder eben nicht.
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wirklich Übereinstimmung ist natürlich unmöglich, also im starken Sinn





(eher schliessung, während unterbrechung etwas Zeitliches öffent, eine andere Zeit einfügt)





Die von Jean-Paul Sartre gegründete Zeitschrift Les Temps Modernes druckte statt des von der Zensur verbotenen Manifests zwei leere Seiten und eine noch - zum Beispiel um René Leibowitz, François Truffaut, Tristan Tzara und Françoise Sagan - gewachsene Liste von Unterzeichnern ab. Eine Gruppe von amerikanischen Intellektuellen (u.a. Stanley Kuntz, Norman Mailer und Lewis Mumford) veröffentlichten einen Solidaritätsbrief an die Unterzeichner.
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Topos der Übersetzung
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doppelte Geste: übersetzt das, was geschieht, macht es zu einer öffentlichen Angelegenheit + unterzeichnen das Öffnen der Situation, nämlich, dass es so etwas gibt, eine öffentliche Angelegenheit
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Die Zeitschrift ist nicht etwa Analyse in erster Instanz, sondern eher die Übersetzung, d. h. auch die Einfügung einer bestimmten Zeitlichkeit in die Zeit des Alltäglichen, die die Möglichkeit des Vernehmens eines solchen Anspruchs eröffnet, oder eher wachhält - vielleicht würde ich mich von dort der Frage der Zeitschrift und ihres Bezugs zu den Kämpfen nähern. die Zeitschrift weniger als ein Instrument denken, als ein Medium, das Kämpfe strutkuriert vielleicht sogar eher noch erfindet und verortet.
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Dezentrierung des Autors.
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"eine meiner Fragen wäre dann vielleicht konkret bezogen auf das Projekt einer Zeitschrift, wie sich diese Konzeption der an-archischen Souveränität zum Ort des Autors (das begreift auch eine Frage von Ortlosigkeit ein) verhält, zur Signatur, zum Unterzeichnen - weil das unmittelbar praktische und inhaltliche Konsequenzen nach sich zieht, denke ich, diesen Ort zu befragen an der Stelle eines solchen Projekts"
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Wahrscheinlich wird es nötig sein, die 'Einsetzung' in die Freiheit erneut zu denken, die ebenso bedeutet, dass der Autor sich in der Signatur einer Angelegenheit 'verschreibt', die nicht selbst gewählt ist. Es ist also eine Art Umkehrung in der an-archischen Souveränität im Spiel, die dennoch die meisten ihrer Koordinaten im Topos einer Einsetzung in die Macht durch eine überragende Instanz findet. Nur ist es nunmehr die Schwäche, die in die Freiheit einzusetzen in der Lage ist. Alles ist von ihr her strukturiert und auf sie zu, was eine an-archische Bewegung impliziert und eine Macht der Schwäche, die natürlich keine Umkehrung sondern eine Neutralisierung bewirkt und gerichtet ist gegen die mythische Souveränität der Dezision.
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Anonym + Signatur
Geste des Unterzeichnens
welche Formen der Signatur und Anonymität (in welches Verhältnis setzt man diese Polaritäten) muss das Projekt einer Zeitschrift vorschlagen
Macht ohne Macht, schwache Souveränität
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Engführung von einer Befragung des Schreibens (am Platz des Autors) und einer Öffnung/eines Offenhalten des Ereignisses
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auf die Weise ergreifen die Unterzeichner Partei, geben der vorusprünglichen Öffnung Kredit

die anonyme Gemeinschaft von Namen (instinktiv) attackiert die Autorität (!) der Justiz (und worauf bezieht sich die Autorität, wenn nicht auf eine gewisse Logik des Namens, des Eigennamens)

Das Verhältnis von Signatur und Anonymität zeigt sich unmittelbar in der Geste des Unterzeichnens, und es ist das Echo auf das Verhältnis von Schreibenden und Lesenden (als ob die Unterzeichnenden schon die Lesenden wären und nicht mehr einfach den Schreibenden angehören, also sich im Unterzeichnen schon Öffentlichkeit herstellt*).
*Dieses Herstellen von Öffentlichkeit hat sich im Laufe der Geschichte verändert, es hat seine Zeitlichkeit eingebüßt (darin liegt eine Notwendigkeit zur neuerlichen Intervention, die erstmal die Einfügung einer anderen Zeit ist; eine Zeit, die das, was geschieht, offenhält fürs Lesen).
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Bezug zur Realität
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Ist es nicht entscheidend wichtig - darf man sagen heute, in gesteigertem Maße? -, vom Realgeschehen sich affizieren zu lassen, von ihm her und auf es hin zu schreiben?


affektive Anwesenheit der Effekte gegenwärtiger sozialer und politischer Ereignisse aufgreifen, also die eigene Realität am Ort des Singulären gewissermaßen als Indikator des Schreibens mit aufnehmen? Welche Ereignisse kristalisieren sich darin und lassen sich darin lesen?
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"Wie auch bei den meisten derjenigen, die aufgrund der schwierigen Mischung aus Gut und Böse, stumm bleiben, stellt sich das Gefühl ein, dass etwas ganz anderes stattgefunden hat, eine schwerwiegende Veränderung, die sich deshalb zum Teil der politischen Urteilskraft entzieht, weil es in ihr um Entscheidungen geht, mit denen ein grundlegendes Einvernehmen oder ein grundlegendes Zerwürfnis in Frage steht." (Blanchot)

Vielleicht ist das verknüpft sein, verbunden sein mit seiner Zeit das, was uns jetzt interessieren muss. (der Übergang von einem Zeitalter der Sprache zu einem anderen), gerade markiert vom Ausbleiben eines Effekts (des Garanten), als Hinweis darauf, dass sich diese Verbindung, dieses sich bemerkbar machen einen neuen Ort, eine neue Form sucht. Was wir hier zu denken versuchen, ist, inwiefern selbst die Ereignisse, die, wie man sagt, vor aller Augen stattfinden, noch wie unbemerkt unsere Zeit passieren.
 
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Derrida sagt die Signatur ist auch ein Kredit geben, sich in eine Schuld zu versetzen, was heisst, sich etwas zu verschreiben für das man eine Verantwortung übernimmt, auch wenn diese Schuld nicht tilgbar oder rückbezahltbar ist. Aber das Antworten auf diese Disposition ist auch das, was man als "Wahrheitsprozess" bezeichnen könnte. Als ob es auch genau dies sein kann, was öffentliches Sprechen möglich macht und dem man Antworten könnte.
 
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Kritik der Akademie + nicht-servile Intelligenz
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Wenn es überhaupt einer weiteren Zeit-Schrift bedarf, dann zur Entwicklung einer Macht nicht-serviler Intelligenz, deren Verhältnis zur Herrschaft ebenso wenig eine Frage ist, die noch zu entscheiden wäre, wie die Frage nach der Notwendigkeit zu antworten nicht selbst immer schon einer vorursprünglichen Frage und einem Anspruch antwortet, der alles, worauf es ankommt, im vorhinein bereits entschieden hat.
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Augenscheinlich ist die Akademie heute keinesfalls der privilegierte Ort, an dem eine ebenso unerbittlich kritische wie affirmative, eine grundsätzlich nicht-servile Intelligenz Aussicht hätte, die notwendige Freiheit der Bewegung und die günstigen Bedingungen ihrer äußerst raschen Entwicklung zu finden, ihres augenblicklichen Zusammenschießens, auf das es heute ankommt. Ihr Ort ist die Akademie so wenig wie das Feuilleton oder der Buchmarkt, was nicht heißt, dass sie nicht auch dort auftauchen und sich einschreiben könnte.
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Eine Intelligenz im Übrigen ohne Angst, die bezüglich der Herrschaft nur den Auftrag ihrer rückhaltlosen Destruktion übernehmen kann.
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Was damit aber zurückgewonnen ist, ist etwas entscheidend wichtiges: Orientierung.
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Für mich geht es wesentlich um einen anderen, einen an-archischen Ausgang aus dem Nihilismus.
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Literatur/Ästhetik


der Literatur einen größeren Platz einzuräumen, um die neuen Verbindungen von politischer und literarischer Verantwortung spürbar zu machen


Das Interesse, das wir zum Beispiel der Literatur entgegenbringen, ist kein Interesse der allgemeinen kulturellen Bildung; wenn wir schreiben, dann nicht, um Kultur und Bildung zu bereichern. Wichtig ist uns eine Wahrheitssuche, oder auch ein gewisser gerechtfertigter Anspruch, vielleicht eine Forderung der Gerechtigkeit, für welche die literarische Bejahung, durch ihr Interesse am Mittelpunkt, durch ihren einzigartigen Bezug zur Sprache wesentlich ist.
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Die Vorbedingungen des Schreibens, ist auch die Frage nach einer Ästhetik. Darum ist die Frage der Lliteratur so wichtig im "Projekt einer internationalen Zeitschrift", weil sie auch ganz massgebend bei für die Fragestellung ist, wie das Schreiben überhaupt sich selbst artikulieren und darstellen kann, das ja nicht mit sich selbst identisch ist. Es eröffnet damit auch die Frage nach den Möglichkeiten von Teil-Habe und dies vorursprünglich durch die Differenz der Schrift.
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Das Handwerzeugs einer Zeitschrift beinhaltet auch ganz konkret das Verlegen, Publizieren und die Distribution. Also Vieles, was in der heutigen Publikationskultur auf vorgegebenen Kanälen abläuft und deren Bedinungen weitgehend unangetastet lässt. Hier ist die Frage der Kunst vielleicht nochmals ganz anders angesprochen, aber auch die Frage der Übersetzung, die nicht darin als für "gelungen" gilt, indem sie unsichtbar wird.
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Historizität
der Zeitschrift
der Kämpfe (gegen Unterdrückung)
nicht-servile Intelligenz
 
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Jedes Schreiben, so scheint es mir, ist dezentriert und singulär zugleich, gemeinsam und allein.
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Frage des Publizierens
Begriff des Garanten (Erklärung, Name und Schrift als Garant eines politischen Effekts) klären
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dass sich das Projekt nicht von einem Redaktionsprozess her entwirft, sondern von einem gemeinsamen Schreiben

wie sich von den zusammengeschobenen Fragmenten potenziell Essays aus ergeben, denen man nachkommen könnte, wie sich aus dem gemeinsamen Schreiben Fragen und Bewegungen lösen, denen man Raum und Zeit geben muss



Eine erhöhte Spannung, ein nervöses Lesen, das Editieren, als ein wiederholtes Schreiben, das muss man vielleicht auch so verstehen, dass es nicht um einen redaktionelle Vorgang sich handelt, sondern um ein wiederholtes Schreiben, dass sich immer weiter dem öffnet, von dem es zu sprechen sich vorgegeben hat.