ÜBEREINKUNFT


1
Notwendigkeit zu antworten
Situationen + emanzipatorische Kämpfe
Drängen auf Realität
Intuition, Ungeduld, Nervosität etc.
Frage, Form, Praxis der Aufmerksamkeit (leitet das schon zur Frage des Übersetzens?)
2
Tatsächlich aber stellt sich, wie Blanchot in einer ganz anderen, vielleicht aber doch ähnlichen Situation schreibt, "das Gefühl ein, dass etwas ganz anderes stattgefunden hat, eine schwerwiegende Veränderung, die sich deshalb zum Teil der politischen Urteilskraft entzieht, weil es in ihr um Entscheidungen geht, mit denen ein grundlegendes Einvernehmen oder ein grundlegendes Zerwürfnis in Frage steht". Vielleicht ist das Verbunden-sein mit seiner Zeit, das, was uns jetzt interessieren muss (der Übergang von einem Zeitalter der Sprache zu einem anderen), gerade markiert vom Ausbleiben eines Effekts. Hinweis darauf, dass sich diese Verbindung, dieses Sich-bemerkbar-Machen einen neuen Ort, eine neue Form sucht. Was wir hier zu denken versuchen, ist, inwiefern selbst die Ereignisse, die, wie man sagt, vor aller Augen stattfinden, noch wie unbemerkt unsere Zeit passieren.
 
4
anarchistischer Anspruch (passiv wie aktiv)
Ein Denken gegen ein archischen Denken, eine Denken gegen Herrschaft in jeder Form. anti-herrschaftliches Projekt
Anarchitektonik
Horizontalität der Entscheidungsprozesse, Vertrauenshypothese
5
Wahrscheinlich wird es nötig sein, die 'Einsetzung' in die Freiheit erneut zu denken, die ebenso bedeutet, dass der Autor sich in der Signatur einer Angelegenheit 'verschreib'', die nicht selbst gewählt ist. Es ist also eine Art Umkehrung in der an-archischen Souveränität im Spiel, die dennoch die meisten ihrer Koordinaten im Topos einer Einsetzung in die Macht durch eine überragende Instanz findet.
 
7
Öffentlichkeit/Offenbahrung
welche Öffentlichkeit generiert eine Zeit-Schrift
was öffnet sich?(Die Gegenöffentlichkeit legt die Ereignisse ja nicht einfach anders aus, sondern sie führt ein anderes zeitliches Verhältnis ein, eine neue Bedinung des Zeitlichen vielleicht überhaupt.)
Kritik/Situation/Aufstand (ist Sache einer fortschreitenden Offenbarung)
  
10
Begriff des Autors, der Signatur
Vokabular: weniger spekulativ, mehr in Realität aktueller Vorgänge, aus ganz verschiedenen Richtungen (Konstellation, die eine Öffnung aufs Reale herstellen kann)
demokratisches Schreiben, das sich nur aus den Wörtern zusammensetzt
anonym/öffentlich + Intimität; dezentriertes Schreiben an der Schwelle der Worte (zurück zur Ungeduld)
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Das Verhältnis von Signatur und Anonymität zeigt sich unmittelbar in der Geste des Unterzeichnens, es ist zugleich Echo auf das Verhältnis von Schreibenden und Lesenden (als ob die Unterzeichnenden schon die Lesenden wären und nicht mehr einfach den Schreibenden angehörten, sich im Akt des Unterzeichnens schon Öffentlichkeit herstellt. Wie aber verhält sich die Konzeption der an-archischen Souveränität zum Ort des Autors (das begreift auch eine Frage von Ortlosigkeit ein), zur Signatur, zum Unterzeichnen? Zumal, wenn die anonyme Gemeinschaft von Namen (instinktiv) die Autorität (z. B. die Autorität der Justiz) attackiert (und worauf bezieht sich die Autorität, wenn nicht auf eine gewisse Logik des Namens, des Eigennamens).
 
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Praxis des Übersetzens
Effekte zeitigen
Einfügung einer anderen Zeit
doppelte Geste: übersetzt das, was geschieht, macht es zu einer öffentlichen Angelegenheit + unterzeichnen das Öffnen der Situation, nämlich, dass es so etwas gibt, eine öffentliche Angelegenheit (Übersetzen von Situationen, Sprache, Werke)
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Die Zeitschrift ist nicht etwa Analyse in erster Instanz, sondern eher Übersetzung, d. h. auch die Einfügung einer bestimmten Zeitlichkeit in die Zeit des Alltäglichen, die die Möglichkeit des Vernehmens eines solchen Anspruchs eröffnet, oder eher wachhält.
 
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nach innen nach außen adressiert (Übereinkunft)
Verbindlichkeit
Projekt
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Vorstellung eines gemeinsamen Schreibens, das in gewisser Weise untrennbar wäre von der Intervention ins Öffentliche, die Blanchot für notwendig erachtet (die Forderung nach einem anonymen Schreiben läuft parallel mit dem politischen Engagement im Öffentlichen)
das ist eigentlich komplexer, weil zugleich so etwas wie ein Anonym der Schreibenden Einsatz findet, und eine Signatur, allerdings als Unterzeichnende, die eher so etwas wie Bekräftigung des Geschriebenen ist, ohne den Ort der Autorschaft einzunehmen, sie fügen sich eher dem Gesagten hinzu wie dessen erste Leser
das Unterzeichnen, das in die Spur des Lesens versetzt
 
19
Distribution
Ereignisse, Situationen: Reproduktion der Logik der hegemonialen Ideologie unterbrechen
Ordnung des Diskurses: Bedingungen, was gesagt werden kann und was nicht, selbst veränderen
Kritik der Akademien
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Das Handwerzeugs einer Zeitschrift beinhaltet auch ganz konkret das Verlegen, Publizieren und die Distribution. Also Vieles, was in der heutigen Publikationskultur auf vorgegebenen Kanälen abläuft und deren Bedinungen weitgehend unangetastet lässt.
 
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literarische Gemeinschaft (Begriff der kollektiven Praxis ist allgegenwärtig, aber der politische Moment ist wenig bis gar nicht abrufbar oder mobiliserbar)
Politik der Literatur
23
Jedes Schreiben, so scheint es mir, ist dezentriert und singulär zugleich, gemeinsam und allein.
 
25
Fragment
nicht seinen ganzen Sinn in sich selbst enthält, sondern eher auf einen allgemeineren, noch kommenden Sinn hin geöffnet ist oder aber den Anspruch auf eine wesentliche Diskontinuität annimmt
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dass sich das Projekt nicht von einem Redaktionsprozess her entwirft, sondern von einem gemeinsamen Schreiben
wie sich von den zusammengeschobenen Fragmenten potenziell Essays aus ergeben, denen man nachkommen könnte, wie sich aus dem gemeinsamen Schreiben Fragen und Bewegungen lösen, denen man Raum und Zeit geben muss; Eine erhöhte Spannung, ein nervöses Lesen, das Editieren, als ein wiederholtes Schreiben, das muss man vielleicht auch so verstehen, dass es nicht um einen redaktionelle Vorgang sich handelt, sondern um ein wiederholtes Schreiben, dass sich immer weiter dem öffnet, von dem es zu sprechen sich vorgegeben hat.
 
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Kommender Diskurs einer Zeitschrift
Suche nach dem Indirekten ist eine der Aufgaben




die Übereinkunft muss ohnehin sich selbst als Form infrage ziehen, wie auch jede Übereinkunft, weil darin eben schon Ein- und Ausschlüsse praktiziert werden – aber das impliziert der Begriff des Schreibens.
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es ist auch Echo auf das Verhältnis von Schreibenden und Lesenden (als ob die Unterzeichnenden schon die Lesenden wären und nicht mehr einfach den Schreibenden angehören, also sich im Unterzeichnen schon diese andere Öffentlichkeit herstellt)
und dieses Herstellen von Öffentlichkeit hat sich im Laufe der Geschichte verändert, es hat seine Zeitlichkeit eingebüßt (und darin liegt für mich in gewisser Weise die Möglichkeit der Intervention, die erstmal die Einfügung einer anderen Zeit ist; eine Zeit, die das, was geschieht, offen hält fürs Lesen sozusagen)