The GRIDIRON Hotel Revue #1 Session

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Nur als uneigentlicher Gestus angeeignet und ausgestellt, bringt sie ihn sprunghaft hervor - erst die Abweichung von ihr erzeugt rückwirkend die Illusion einer Normalität.
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Zwischen Tischen ein Theater. Figuren betrachtet es eher als Durchgänge von Sprachgesten, denn als Orte, an denen sich Vorstellungen halten würden. Man versteht nur die Hälfte. An den Tischen spricht es wirr und undeutlich. Ein Gast, kein Publikum.
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lebendes bild: als schlossplatz + times square fusionierten.... strassen, demo, menschenleer. dann, die Räume füllten sich, eine frau, die bei einer demo von polizisten festgehalten wird - die polizei hatte am Morgen schon die Strassen abgesperrt - die zwei anderen schauen vor sich hin (sinkt in sich zusammen im Sitzen die Beine übereinander)
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Sich selbst einbringen. Der Bebrillte, dessen Stiefvater 1923 geboren wurde. Sein Arbeiten war immer auch Notwehr, sein Krieg war Arbeit und sein Arbeiten war Krieg. Der Name des Stiefvater (und dies wird keiner glauben): KRIEG! Dies klingt wie Fiktion und ist genau hier doch KEINE. Eine neue Figur: MR.WAR at WORK.
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Auf der anderen Seite des Vorhangs waren die Zäsuren (akustische Zäsuren, ein unwohles Straucheln, Tätigkeiten und Stimmengewirr, nie beendet, sondern immer nur unterbrochen) deutlicher, gewollt und professionell. Zärtlich streift die vom Vorhang bewegte Luft die Sprechenden, überschreitet die glänzende Linie: kindliche Tränen auf seinen Wangen (mehr Mimenspiel als wirkliches Sprechen)
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taucht auf und verglüht gleich wieder - dass seine Haltung nur kompromisslos gegen Politik gerichtet sein konnte und in diesem Sinne revolutionär war
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zur nachträglichkeit des geschehens (beschreibung einer wirklichkeit, die es nicht mehr gibt und die sich nicht mehr zitieren lässt), hervorkehren der materialität, die vertraute geste
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Niemand wollte das hören, weil niemand da war und auch als sie entschied hierher zu kommen um erzählen zu können war zunächst niemand da. Als sich dann die Räume füllten, die Tische bevölkerten und die Gespräche so taten Gespräche sein zu wollen, war sie glücklich.
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Drei schon ermüdete (vormals ernst aussehende) Männer in dunkle Farben gehüllt. Die Mundwinckel des einen scheinen näher am Lachen zu liegen, als bei den anderen. Zwei tragen zeitypische, schwarze Brillen (slightly retro).
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ursprünglich bedeutete für mich der begriff mehr, dass es ein theater gibt, das keinen raum beansprucht, so ein raum als nicht aufführender raum
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noch einmal: Ein Blitzlichtgewitter, Tumulte, Kameras, das volle Programm, grand Opera! Es gibt Reden, die Leute sind aufgewühlt. Dieser Moment auf diesem Schlossplatz. Und diese Massen. Wie im Zirkus, die große Manege. Und ich? Jetzt geht es los, denke ich, jetzt beginnt unsere Zukunft. Wir verstehen uns. Aber dieser Moment in diesem Palast, da war ich atemlos - ja, videoüberwachung in der schauspielergarderobe; also, das wäre eben einer der Jobs, gewesen, auch lustig
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Ein Herr im weißem Pullover, Schal in gedeckten Farben (nicht unkeck!)
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was darin durchgeführt wird, aufgefüht, aus welchem bedürfnis heraus, und dass es nur aus sich selbst heraus besteht
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also, das ist dann auch ein Rückzug, das Theater ohne Publikum, ohne Raum; dann ist das negative theater eine form, das nicht-sehen zu sehen; Theater ohne Publikum, dass weder sich also an eine Öffentlichkeit wendet, noch sich an die Arbeit einer Herstellung von Öffentlichkeit macht
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Der Junge schießt mit der Schleuder. Getroffen. Sieg!
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Sprachgeste der Nichtanerkennung, Infragestellung der Legitimation der Rede (Gründungsinstanz); Erklärung abgeben der Unbezüglichkeit, des Ausgenommenseins vom Einzugsbereich der Rede des Anderen, des Adressiertseins; Isolation; Zuhörer als Geisterschaft
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[ jungenhaft, ehrlich interessiert]: Ja? Ja, wirklich? Und, warum, wenn ich fragen darf?
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Erst jetzt schließt sich der Vorhang. Es ist wieder zu schnell, zu laut, zu gewalttätig, zu materiell. Deutlich wird, was bisher kaum zu Bewusstsein kam: Der Punkt an dem sich die beiden Vorhangteile treffen, ist der Mittelpunkt des Raumes, der Achspunkt der Szene.
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kreise, staging kreise (demoform in usa), shouting, im kreis gehen: theater
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ach ja, eine frage an den text habe ich vergessen: warum heisst es: >mein leben ist unerträglich, weil es eines ist.<?
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