übersetzende Transkription


Effekt finde ich einen wichtigen Begriff. Was für Effekte hat ein Schreiben, wenn es sich veröffentlicht? Was für Wirkungen hat es und wo schliesst es sich an, an welche Prozesse?
Ich bin so oft negativ darauf angesprochen worden. Ich weiss gar nicht, ob es produktiv ist, eine Frage nach Effekten zu stellen. Oder ob man einen anderen Begriff dafür braucht.
Man kann ja von Bedeutungseffekten von Texten sprechen, die kein reines Ursache/Wirkungs-Schema haben. Aber wenn du sagst, dass es eine Rückführung von Texten in den öffentlichen Raum gibt, statt dass sie in eine private Bibliothek wandern, dann fragt es sich, was es heisst, etwas zu veröffentlichen.
Welche künstliche Anforderungen zu schreiben gibt es versus einem Moment, bei dem wir gewohnt sind, dass sich Kunst mit einer bestimmten Theorieausübung vermischt, dass es mittlerweile ein künstlerischen Sprechen gibt, dass auch immer schon theoretisch angewählt ist, dass eine Stimme auftaucht mit der Frage, wie möchte ich mich artikulieren, so dass es der Situation entspricht, aus der heraus ich spreche und wo die Frage nach Tonalitäten und Ausdruck auftaucht.
Für mich liegt das Problem auch dort und auch das Medium der Zeitschrift berührt, wo die sogenannte Wissenschaft automatisch auf die Öffentlichkeit übertragen wird. Wie die Sprache funktioniert als eine eigentlich öffentliche Angelegenheit verstummt dabei, nämlich als eine Angelegenheit der Sprechenden, die aber gar nicht aufgerufen sind, weder als Schreibende, als Lesende oder Angehörige eines Staates.
Ich lese manchmal Korrektur – gerade in diesen politischen Stiftungstexten. Ich finde es schon krass, weil es ein Think Tank ist für politische Parteien, die dann Spezialisten anheuert, die zu verschiedenen Themen schreiben und Wissen sammelt, ohne die Stelle eines sprechenden einzunehmen und eine starke normierende Kraft bekommen, aber entbunden sind von der Stimme und eine Auswirkung haben über eine Verständigung, die unter bestimmten Themen möglich ist. Das hat glaube ich mit der Stelle des Autors zu tun.
Wie gesprochen wird in der Schule, in der Wissenschaft, in einer Talk Show ist eine ganz klar vorgefertigte Sache und ist einprägend, wo man auch weiss, welche Wörter verwendet werden.
Mir war vorher nicht so klar, dass es hier auch um das Verhältnis um das eigene Schreiben geht.
Es geht schon darum, die Realität zu einem Objekt zu machen um darüber zu schreiben. Zumindest ist das eine Möglichkeit und es ist ein Machtverhältnis. Es geht darum Verhältnisse festzuschreiben. Bei diesen ganzen Texten über Occupy müsste man auch mal forschen, was es für Textsorten gibt. Texte über Bewegungsforschung. Dann gibt es die Bewegung selber, die Zeitschriften herausgegeben haben und dann gibt es Leute die sich entscheiden aus der eigenen Erfahrung zu schreiben. Das ist auch eine Möglichkeit, um sich als Subjekt nicht raus nehmen zu müssen.
Ich würde jetzt auch nicht sagen, dass es unmöglich sei ein Text zu produzieren in diesem Spannungsverhältnis, der das mitverhandelt und dazu verhält. Mich interessiert aber auch, ob Sprache als Mitbeteiligtes mitbeteiligt sein könnte. Gibt es eine Art Übersetzung einer Bewegung oder eines politischen Moment in ein sprachliches Format, was sich selber nochmals mitteilt, anders als über das Ich.
Gerade deswegen ist vielleicht auch die Übersetzungsarbeit im Endeffekt so schwierig.
Ich denke, es hat auch damit zu tun mit dem Moment genau hinzusehen, wo sich etwas trennt, wo die Gewalt stattfindet und das auch mit der Sprache zu, wo ich an Lyrik oder Dichtung denke. Aus einer Unmöglichkeit heraus, im miteinander eine Sprache zu finden, wo sich alles anders ergeben kann.
Dazu fällt mir ein die Zeitschrift als etwas ein, das periodisch ist, was ich interessant finde, weil es eine Frequenz des Wiederkehrens hat. Das Periodika hat nicht den Moment einer Schliessung.
Es ist ein Moment des Rhythmus, der Ereignishaftigkeit und der Wiederkehr darin.
Und die „colectivo situatuacones“ sind Leute aus Argentinien, das sind Leute, die damals vor 10 Jahren neue Richtlinien des Forschens unter sich versucht haben festzustellen. Sie sagen, wir forschen ohne Objekt und dieses Sprechen oder Schreiben ist einfach nur ein Produkt einer situationalen Zusammensetzung des Kollektivs. Eigentlich geht es darum die situationale Zusammensetzung des Kollektives zu finden. Es geht darum, mit den Begriffen, wie Zugsamensetzung, Situation, Freundschaft, Liebe in der kollektiven Intensität eins Bandes, davon sprechen sie, umzugehen und Bedingungen zum Denken zu schaffen. Darin findet eine Schreibpraxis statt, bei der es erstmals egal ist, wohin es geht, welchen Zweck sie verfolgt, sondern um die Zusammensetzung, wo es nicht um Artikulation geht, sondern um die Intensität eines Kollektivs zueinander. Das Ergebnis ist die Entfaltung der Vorgehensweise sozusagen und daraus kommen die Fragen. Mann kann also die Fragen von aussen an ein Projekt gar nicht stellen, sondern die Frage kommt aus der Selbstreflexion der kollektiven Zusammensetzung heraus und das wären die Fragen, die das kollektive überhaupt interessiert.
Inwiefern braucht es Selbstreferenzialität als die einzige Lesepraxis aus dieser Situation und was kann ich daran verstehen, wie kann ich das zurück binden um das Wissen gegenwärtig zu halten. Gibt es im Bezug zwischen mir und der Situation andere Verfahren als Selbstreferenzialität, die oft negativ konnotiert sind, aber auch eine Intensivierung von Wissen sein kann. Welche Wissensformen können eigentlich entstehen.
Die Frage die wir hier ein bisschen diskutieren, ist die Form, wie schreiben wir, oder nach einer Praxis. Aber ich finde auch wichtig, was für ein Erfahrungswissen daraus sich generiert. Um was geht es, mit dem was man tut. Wie man es tut, ist schon total wichtig, aber es ist genauso wichtig, was für ein Wissen sich generiert. Gewisses Wissen ist auch widerständig, um die Trennung zwischen subjektiv und objektiv, zwischen akademischen und nichtakademischen Schreiben ein bisschen aufzulockern.
.Ich finde die Gegenüberstellung schon auch gut. Denn sie führt ein, anzuerkennen, dass es tatsächlich ein Bedürfnis gibt, eine Kritik zu formulieren an dem herrschenden Begriff des Schreibens. Ich denke, das ist Teil der Arbeit dieser Zeitschrift, die man nicht ausblenden kann und es eine Auseinandersetzung braucht. Diese vereinfachte Gegenüberstellung schliesst sich auch Lanzaratos (?) Buch an mit diesem technokratischem Begriff von Schreiben und dem Apparat, der auch eine ganz Bestimmte Verfügbarkeit von Wissen auf andere Prozesse der Gesellschaft einwirkt.
Wir haben uns mal länger mit den vereinten Nationen auseinandergesetzt und geschaut, wie da eigentlich das Protokoll oder die Referenz alle sprachliche Gesten mit einer Geste des Schreibens infiziert und das Sprechen auf einen bestimmten Tonfall zurück dimmt, weil es nur noch darum geht, was gesagt wird einzutragen in den grossen Apparat der Referenz und des Protokoll, damit es Schriftakt wird auf den man sich bezieht und gültig wird. Der technokratische Apparat der Wissenschaft hat so ein Beweisführungspflicht der Effekte produziert, dann ist es da die Gültigkeit. In dem sie in diesem Raum geäussert werden, kriegen sie ein Gültigkeit und das ist auch der Endpunkt ihres Sprechaktes.
Aber die Colectivo Situaciones ist auch etwas, das eine bestimmte Zeitlichkeit in eine Situation einfügt, die dieser Situation eigentlich nicht gegeben ist. Das bringt uns zum Rhythmus, der erlaubt Stiel und Zeitlichkeit zusammen zu bringen und berührt dann auch wieder die Frage nach dem Periodika, also wie kann aus einer Einfügung in die Zeit ein gemeinsames Denken entsteht, das aus sich heraus die Fragen oder Positionen artikuliert, die für den Zusammenhang in der Situation entscheidend sind. Vielleicht kann man für diese Zeitlichkeit eine Übersetzung zur Veröffentlichung finden, also vielleicht gibt es da ein Verhältnis.
Ich finde interessant diese Fragen umgekehrt zu denken. Weil noch mal eine ganz andere Dringlichkeit stellt, weil sie sich aufdrängt.
Aber Zeitschrift kann auch als ein Schreiben in der Zeit verstehen werden und dann öffnet sich die aktuelle Situation im Schreiben und die Frage, was es heisst in der aktuellen Situation zu schreiben. Eigentlich ist die Zeitschrift irgendwo zwischen der Aufklärung und der Romantik geboren, also zur selben Zeit, wo man in der Philosophie begann die metaphysische Konzepte zu verwerfen. Es war wahrscheinlich kein Zufall, dass im Medium der Zeitschrift sich einen solchen Diskurs begann zu formulieren. Also statt dass von einem abschliessenden Blick die Dinge von Aussen betrachtet werden, sondern von der Situation heraus. Das hat auch viel damit zu tun, wie man eine Situation vorfindet, also in welchem Verhältnis, in dem man ist und in welchem man eigentlich sein möchte. Daher kommt ein geschichtlicher Moment dazu zu diesem Schreiben. Und weil man nicht von einer abschliessenden Seite, sondern von aus einer entstehenden Seite herkommt, ist das Schreiben mit einem Wagnis verbunden, da man keine abschliessende Antworten haben kann. Daraus erfolgt auch ein fragmentarisches Schreiben und aus diesem Fragmenten konstruiert sich vielleicht rückblickend einen Sinn, der im Moment des Schreibens unsichtbar war. Dadurch kommt mit dem Schreiben in der Zeit das Ereignishafte ins Spiel. Und daher liegt für mich in der Zeitschrift ein geschichtlicher Aspekt. Dazu kommt noch ein weiterer Aspekt hinzu, nämlich das ein politisches Schreiben, sich als eine Zeitlichkeit in die Zeit einfügt, für das es eigentlich keinen Platz ist– in der herrschenden Zeit. Das schreiben muss sich also einbringen in die Zeit. Also das alles könnte in dieser Umkehrung im Spiel sein: Zeit-Schrift/Schreiben in der Zeit.
Das sind relativ abstrakte Theoreme, bei der aber schon etwas konkretes Verhandelt wird. Mir schien, dass sich jetzt gerade gewisse Begriffe zu einander schieben. Wir haben vorhin davon gesprochen, dass es ein Art von Schreiben gibt, das sich versucht in bestehende Diskurse einzuschreiben und das kann auch eine ethische Praxis sein. Ich finde es aber interessant, dass wir soeben gerade über den Begriff der Einfügung gestolpert sind, also ein Einfügung einer Zeitlichkeit, die nicht Teil von den dominierenden Zeitlichkeiten sind. Was für mich zum Tragen kam, also du von den „colectivo situaciones“ erzählt hast, weil er erste Akt, der dort eigentlich stattfindet, eine Situation herstellt, die auch in der Zeit einen Zusammenhang gibt, der nicht darüber verfügt, sozusagen, dass eine wichtige Handlung darin darstellt. Dass es aber auch unausgesprochen so ein interventionistisches Begehren darin gibt.
Wo ich ein Verständnis dafür habe, dass man qualitativ sowie auch quantitativ anders versucht umzugehen. Qualitativ wäre die Zeit, die ich nicht habe, die ich genommen habe und quantitativ wäre, dass etwas fragmentarisches entsteht, statt was Lineares.
Das Fragmentarische hat für mich auch damit zu tun, wie sich eine Gemeinschaft beschreibt und findet. Also, dass sich eine Gruppe von innen beginnt zu erklären und ein Selbstverständnis beginnt zu erarbeiten. Das geschieht in einer zeitlichen Situation, die nicht festgeschrieben ist. Und daraus ergibt sich eine geschichtliche Qualität. Und rückblickend kann erst im Nachhinein, wie sich die Gemeinschaft zu einander verhält sich ein Bild aus Fragmenten ergeben oder ein Verständnis, das vorher total offen war. Bei dem Text von Blanchot gibt es die Frage, wie man mit Artikeln umgehen kann, wie die versammelt werden im Medium der Zeitschrift. Weil es gibt verschiedene Belange für Artikel und Themen. Es geht also um die Frage einer Versammlung von Artikel. Aber vielleicht fügt oder schiebt sich erst etwas Rückblick zusammen, was vorher nicht sichtbar war.
Wir haben im ukrainischen Kontext mal ein Zeitschriftenprojekt angefangen, das gescheitert ist. Aber was daran spannend war, dass es mit der Figur des Wiedergängers zu tun hatte, also dass das, was da ist nochmals ausgeführt wird.
Ein anderer Begriff war die Verdopplung. Und eigentlich fand ich das ganz gut, um mit dem Anspruch des Periodischen und Wiederkehrenden umzugehen. Und habe aber im Vorab auf das Projekt einer Zeitschrift gedacht, dass das für mich fast nicht in Frage kommt, das als Zeitschrift zu denken, also als etwas, das nun regelmässig kommen würde. Und gerade, weil ich das als Schwierigkeit erlebt habe, innerhalb einer Zeitschrift oder einer Redaktion zu delegieren. Es kommen zehn Text von zehn Leuten. Und das Gespräch, von dem du vorhin gesprochen hast, das dir fehlt, das ich als das Spannende empfinde und den Entwurf den du genannt hast von den „colectivo situaciones“, um einen Bezug zum eigenen Sprachort herzustellen und den auszudrücken als Artikulation, als etwas anders, als jeder schreibt über etwas, das ihn sehr interessiert und was dann nebeneinander steht, weil da fehlt gerade so etwas, das verbindend ist. Ich habe zumindest das Gefühl, dass mich etwas anders reizt. Ich könnte mir vorstellen, dass man eine programmatische Ankündigung schreibt (wenn es nicht schon eine geben würde) oder, dass man etwas behauptet, das dann nicht kommt oder dass man eine einmalige Zeitung schreibt und vielleicht nochmals wieder schreibt oder nochmals verdoppelt oder das Gegenteil davon schreibt. Aber eine Zeitschrift, die immer wieder kommt, löst für mich eigentlich zu viele Regeln aus, die ich befragen müsste.
Im Gegenteil. Wir haben, als wir zu diesem Treffen eingeladen haben, sehr betont, dass es ein singuläres Moment ist, das keinerlei Verbindlichkeit eine Art Redaktion erzeugt. Weil das finde ich schon auch wichtig, weil wenn ich für mich überlege, was in diesen drei Tagen passieren könnte, anders bei dem ersten Treffen, eine Art von Text, Programmatik oder irgendwas entstehen und dass die ganzen Fragen des Veröffentlichens und Adressierens darin auch wichtig wird. Also wenn ich über einen potentiellen Text nachdenke, der dabei entstehen könnte und der sich damit auseinandersetzt, was heisst es, zu sprechen, zu schreiben, was für Kräfteverhältnisse, Ansprüche, Begehren usw. wirken darin, dass für mich fast das interessanteste ist, den Adressaten zu kennen, also das nicht an eine anonyme Masse zu schicken, sondern zu einem neuen singulären Moment einzuladen und sich vielleicht an eine grössere Gruppe von Menschen, die sich auch mit der Frage des Schreibens und des Veröffentlichens richten, mit dem Anspruch sich zeitgenössisch sich zu dem zu verhalten, was in den Momenten von emanzipatorischen Bewegungen passiert und sich damit auseinanderzusetzen.
Da steht zweimal emanzipatorische Bewegung, was meint ihr damit? Das ist ein grosser Begriff, bleibt aber sehr abstrakt hier. Blanchot sagt in seinem Text ganz klar, dass es nicht darum geht, was jetzt das neue Steuersystem ist, sondern es geht darum andere Arten von Fragen zu entwickeln. Ich finde es interessant zu fragen, was eigentlich die Fragen sind, die man anders behandeln könnte, wenn man von emanzipatorischen Bewegung spricht. Man könnte auch andersrum fragen, was sind die emanzipatorischen Bewegungen heute. Was ist das, was gerade geschieht und was ist eine Dringlichkeit eigentlich provoziert.
Ich habe an das Drängen gedacht.
Weil das Verhältnis Adressat-Unterzeichner-Anonymität-Autorschaft auftaucht, sich zu fragen, an wen würden wir schreiben. Das wäre für mich eine Handlung, die sehr politische werden kann, kann aber auch nur eine Art Probe sein. Denn bei „121“ ist das Format einer Zeitschrift gar nicht präsent, sondern eher das eines Aufrufs oder das eines Editorials vielleicht.
Für mich geht es auch darum zu fragen, was eine Motivation oder was für eine Notwendigkeit da ist. Mich würde eine Zeitschrift interessieren, die sich ganz konkret mit etwas beschäftigt – das kann auch ganz klein sein kann – und dann von dort auf etwas Allgemeines überleitet, also generell von der Herangehensweise eine Öffentlichkeit heranbringt. Der kleine Fakt würde dann im Endeffekt untersucht, wieso dass das so ist und was für ein Kontext braucht es, dass der erscheint und weshalb fällt der nicht auf und solche Sachen. Und warum komme ich überhaupt auf dieses Ding, das nicht auffällt. Und was ich auch interessant fände, dass das aus einer Negativität heraus passiert. Also nicht, dass ich hinausgehe und überlege, was gefällt mir an der Welt, sondern dass ich es anders herum mache, sondern, ich versuche, was mir nicht gefällt zu konkretisiere und was habe ich damit für ein Problem und eine Sprache finde, mit der ich das jemanden vermitteln kann. Ich glaube, das wir daher produktiv, weil ich über eine Negativität im Endeffekt gewisse Kategorien schaffen muss und eine Sprache entwickeln muss, mit der ich mich selbstbefähige über etwas zu sprechen. Und dann könnte eine Zeitschrift ein Übungsfeld sein, wo ich zusammen mit anderen arbeite und sich im besten Fall einen Fortschritt sich einstellt, wo etwas verständlich wird. Weil, was gerade fehlt und was mir auffällt, wenn es um die Kunstmagazine geht und ich gehe zu einer Ausstellung, sehe mir das an und denke, das ist ein Scheiss sozusagen, gehe wieder raus und dabei bleibts irgendwie. Und spricht gar nicht darüber, warum eigentlich. Und das finde ich eigentlich problematisch. Denn das führt dazu, dass ich eigentlich gar nicht mehr hingehe. Man müsste das produktiv machen, indem man sich damit auseinandersetzt.
Und die Frage des Emanzipatorischen, des Politischen oder des Handelns habe ich verstanden, dass die eine Praxis darstellt und die Zeitschrift eine abstrakte Idee ist und das Schreiben in der Zeit finde ich unter diesen Aspekt sehr interessant, weil die Zeitschrift auch ein Medium ist, das verknüpft – es gibt viele Leute die daran partizipieren, es handelt sich um ein Kollektiv, dass es als Idee eine Verknüpfung darstellt und eine gemeinschaftliche Praxis ist und dass es an sich die Frage nach einer Öffentlichkeit stellt, weil sie in der Öffentlichkeit stattfindet. Ein Schreiben in der Zeit fragt also auch danach was Öffentlichkeit bedeutet. Das ist ein implizierter Gedanke. Man könnte auch sagen, das Politische ist nicht etwas Äusserliches von der Zeitschrift, sondern es ist ihr implizit. Dass es offen ist und gleichzeitig um Öffentlichkeit geht und um Handlung und um Politisches. Gleichzeitig stellt sich aber die Frage nach dem Adressat. Diese Frage kommt auch drin vor. Also welche Öffentlichkeit oder Gegenöffentlichkeit. Und meine Frage an Euch wäre, was als Intervention zu verstehen wäre, denn Blanchot hat das in diesem Text auch von sich gewiesen, dass überhaupt um Veränderung geht. Es wäre vielleicht auch interessant von Aktivismus zu sprechen oder Aktivismus, nämlich dass man etwas tut, weil ich meine, die Revolution kommt ja nicht gleich. Vielleicht ist eher eine kontinuierliche Tätigkeit oder eine gewisse Treue zum Emanzipatorischen. Und darüber könnte man sprechen, was das bedeutet.
Und dieses Drängen in Bezug zur Negativität, was das Bedürfnis hat letztendlich wieder positiv zu sein und wie das miteinander aktiviert wird.
Wir haben auch gestern über die Ökonomisierung von Bildung und Verwissenschaftlichung Sprachpraxen gesprochen und wo gerade eine Stelle im Gespräch aufgetaucht ist, wo ich das Gefühlt habe, es gibt eigentlich schon ein Mangel sich der eigenen Spracherfahrung hinzuwenden und zu fragen – wir als Theorieschaffende – wieso gibt es da diesen blinden Fleck, in Sprachverhältnisse zu kommen, wo die Sprache so und so sich zu ändern hat, wo es Einschreibungen und Gültigkeit gibt, anstatt zu Fragen welche Erfahrungen fehlen, wo es gerade um das Verhältnis um Sprache geht? Das ist auch eine Dringlichkeit, die wir alle sehr teilen und die sich hier auch wiederholt.
Es geht ja um die eigene Situiertheit. Ich habe diese Fragen gestellt, weil es mir selbst nicht klar ist, was meine ich mit emanzipatorisch. Vielleicht möchte ich mich aber auch nicht damit auseinandersetzen sondern mit dem Neofaschismus und Griechenland. Das ist gerade ein neues und interessantes Phänomen, wo ich damit konfrontiert bin, weil ich denke, ich müsste eigentlich jetzt wieder Faschismustheorie lesen, um das zu verstehen. Es ist die Frage der eigenen Situiertheit, was kann ich überhaupt sagen. Ich war eine Zeitlang Teil einer Bewegung. Und seit ich Studentin bin, bin ich nicht mehr aktiv, schreibe aber darüber. Aber es geht auch um die Frage, wie mache ich eine Situaiertheit klar, wie kann ich ein Mapping aufstellen. Blanchot sagt, es geht nicht darum Sartre'sches Engagement zu machen. Das finde ich als Situiertheit einen interessanten Punkt. Darum meine Frage, was ihr damit meint und wenn ihr sagt, es geht um eine indirekte Kritik des Unterschwelligen. Ich fände es interessant eine solche Zeitschrift in einer Zeitlichkeit und in einer Örtlichkeit denkt, denn an vielen Orten ausserhalb Europas gibt es keine Möglichkeit der Veröffentlichung. Mich würde eine solches Eingreifen in verschiedene Örtlichkeiten interessieren. Wie man von hieraus intervenieren. Was wäre das nicht-sartreische Engagement?
Der Einsatz von Blanchot ist über die ganze Konfiguration des Schreibens gekommen. Das heisst inwiefern ist eigentlich schon die Beschäftigung mit sich selbst schon politisch. Und das sind wir eingestiegen mit dieser Chiffre der emanzipatorischen Bewegung, denn ich denke, das war auch eine Leerstellen in dem Gespräch, was wir im März miteinander gemacht haben. Und dass es eben auch eine Schreibtradition gibt, in der wir uns befinden, in der es permanent Referenzen gibt auf Ereignisse, die irgendwie als emanzipatorisch bezeichnet werden und Erfahrungen, ohne dass man aktiv Teil dieser Bewegung war. Daher fand ich schon wichtig diese Chiffre als Setzung zumindest rein zu nehmen. Weil die Frage ist, was es bedeutet diese Erfahrungen anzueignen und sie wieder in andere Medien zu übersetzen. Und dann gibt es eine gewisse Abwesenheit von Situationen als eine neue Hegemonie, an die man sich adressieren könnte. Was einem zurück drängen lässt auf eine Auseinandersetzung auf die Frage, was für ein Schreiben eigentlich notwendig wäre, das an diese unartikulierte Hegemonie adressiert.
Ich kenne das Gefühle, das du eben geschildert hast, sehr gut und habe immer mit einer Frustration zu kämpfen, zu merken, ich kann mich nicht sinnvoll mit Zusammenhängen auseinandersetzen, ohne über etwas zu sprechen, was ich nicht möchte und dass andere Formen der Verständigungsmomenten erforderlich sind, die ein ganz anderes zeitliches Engagement erfordert, um aus dem Kontext heraus sprechen zu können. Was mich auf unseren Sprachgebrauch zurück bringt.
Aber nicht nur die Abwesenheit einer Situation, sondern auch die Aneignung aller widerständigen Momente durch die Institutionen. Alles was Widerständig sein könnte, wird wieder aneignet durch die Form von Konferenzen und Vorträgen usw.
Das ist eine wichtige Analyse einer Situation. Ich denke das ist der andere Punkt der Setzung des Post, d.h. dass identitäre Politiken gerade an ein Ende gekommen sind und dass es verallgemeinerte Situationen gibt. Und wenn wir von einer Abwesenheit der Situation sprechen und es braucht eine andere Politik des Schreibens hat es auch mit einem Bedürfnis zu tun, eine Stimme oder eine Setzung zu artikulieren, die diese verallgemeinerte Situation sichtbar macht, vielleicht auch als ein Konfliktverhältnis.
Da ist auch ein Horizont des Postfordimsus hinter allem und vielleicht haben wir daher unsere Antikörper verloren, weil ganz viele Gemeinschaften darin strukturiert worden sind, aber der Angriff klassisch bleibt.