Ulla

Worauf wir nicht länger uns beziehen können, ist Eine Musik der wORte
Die Resonanz des Lesers im Text. Das Erscheinen des Textes im Buch.
fällt ins Buch, wie dieser Text in seinem Fertigstellen, diesen Moment des Erscheinens im Buch braucht, als Akt des Schreibens, das buchstäblich Sicheinfinden im Buch
welche Resonanz hat der Leser im Schreiben: die Stimme des Textes stellt sich erst im Lesen her, die Klangfarbe des Textes, sie muss also im Schreiben schon als lesendes Schreiben eingelesen worden sein Momenthafte Aufblitzen von einer Spur, von dem man einen Eindruck von dem bekommt, was man liest bestimmen (determine: to come to an end) - durch seine Stimme auswählen - was hat die Stimme mit dem Unbestimmten zu tun? nicht be (zu etwas hin) stimmen; also zu etwas hin sprechen, ansprechen und rufen, aufrufen; mit der Stimme bezeichnen; geht es um ein Sprechen, dass sich hinwendet und zugleich
Imagination einer Verwirklichung eines Textes spurloses zweimaliges Lesen: mit der Frage der Widmung ist es fast so, als würden wir versuchen, diese zweite Spur ins Buch hineinzuschreiben, die unbestimmte Widmung will nur in Erinnerung rufen, was ohnehin gültig, ohnehin schon tätig ist, dass dieses Unbestimmte zugleich treffend ist
inwiefern hat das Veräußern, das Abgeben, Aufgeben des Textes mit Zeitgenossenschaft zu tun - was heißt das, einen Text zu schreiben, und den in ein Buch zu stellen was hat das mit Solidarität zu tun; das berührt vielleicht auch die Frage von Zeitgenossenschaft, ein paralleles Verhältnis, was heißt es, wenn man sich im Lesen der anderen Lesenden gewahr werden, also man ein anderes Verhältnis statt der von Leser/Autor eingehe, welche Bindekraft spielt in diesem Nebeneinander eine Rolle was hat das miteinander zu tun, die Stelle des Lesers (unbestimmt und einzigartig zugleich) mit Zeitgenossenschaft des Buches in seiner Form des Tätigsein, also dem Verbinden mit jemand Beliebigen - und dieser besonderen Form der Untätigkeit - denn welche Tätigkeit ist gemeint, dies ganz damit befasst ist, unentwegt gewissermaßen, auch wenn diese Tätigsein die Schwelle des Aktiven unterläuft, damit "etwas unbestimmt zu belassen", wie dieses Unterlassen aktivisch und als permanentes Handeln verstehen, als ein Vermögen der Passivität?
Es ist an uns, uns in ganz ähnlicher Weise (den anderen Beiträgen ähnlich) diesem Buch hinzuzufügen. Dies sogar (besonders) in dem Moment zu tun, in dem dieses Buch, das selbst eine Ansammlung ist, zu einem Abschluss kommt und im Begriff ist, sich nach außen zu wenden. Es ist eine Stelle der Fügung und der Bindung, des Hinzufügens und des Einbindens, die es bedeutet, in diesem (einem) Buch zu erscheinen (mit in dieses Buch zu kommen), mit in dieses Buch aufgenommen zu sein. Der Moment des Veröffentlichens, des Ausstellens hat mit einem Moment des Aufgebens zu tun, in dem man ein Werk, eine Arbeit, einen Text ins Ungewisse entlässt. Darin setzt ihre untätige Tätigkeit ein. Ungewiss ihrer Leser, ihrer Besucher, ihrer Betrachter liegt im Moment der Veröffentlichung auch eine unbestimmte Widmung. Deshalb vielleicht hat diese Tätigkeit auch immer schon mit Zeitgenossenschaft zu tun, weil sie sich in jedem Augenblick jemand Beliebigem als ein Bezug zur eigenen Zeit mitteilen kann. Mit dem Veröffentlichen setzt eine Art untätigen Tätigseins des Buches ein. Mit der Veröffentlichung dieses Buches setzt dessen untätige Tätigkeit ein. diese Möglichkeit, einem ganz unvorhergesehenen Leser (irgendjemanden) in die Hände zu fallen - dem muss man sich noch zu wenden, um es dem Bereich des Undefinierten zu entreißen und es zugleich doch unbestimmt zu belassen. Das Unvermögen dieser Widmung, zugleich sich an den ungewissen Leser in seiner Singularität zu wenden und darin vollkommen unbestimmt zu sein, ungeschickt und geschickt zugleich.
Unbestimmte Widmung – also eigentlich das, was jedes Buch ausmacht, seine Gleichgültigkeit gegenüber dem Leser, der kommenden Gemeinschaft von Lesenden. Diese Gleichgültigkeit gilt selbst dann noch, wenn sich das Gesagte, das Erzählte, einem bestimmten Kreis von Lesern verschrieben hat. Das Buch selbst ist diese Gleichgültigkeit. Das Buch, nicht das Erzählte, ist die Hinzufügung einer Gleichgültigkeit. Und doch: Was heißt das für einen Text (einen Klappentext, einen Text, der gewissermaßen an der Stelle auftaucht, die nicht eigentlich mehr zum Inhalt des Buches sich zählen lässt, sondern eher schon nachträglich wäre, eher wie Levinas über das Vorwort schreibt: ein erster Kommentar), nicht sorglos diese Frage unbeantwortet zu lassen, sondern sich ihr zu widmen, sich ihr zuzuwenden und diese Arbeit des Ungewissen und Unbestimmten auf sich zu nehmen? Diese Möglichkeit, dass sich das Schreiben an jemanden wendet, den man unmöglich als Leser hätte sich denken können.
Es müsste durch etwas geschehen, das sich dem hinzufügt, das bereits fertiggestellt ist. Wir denken uns: Einen Text, der auf nichts verweist und nichts fordert. Er verspricht keine Eröffnung einer zusätzlichen Sichtbarkeit. Er fügt dem bereits Gesagten nichts hinzu, (außer, dass es dessen Ränder entlang geht / nachvollzieht) außer dem Sagen selbst, das (zu seiner eigenen Zeit gehört) außer, dass das Sagen selbst zu seiner eigenen Zeit gehört (in bezug steht). Ähnlich einem spurlosen, zweimaligen Lesen. Ein unwahrnehmbarer Überschuss, der undarstellbar ist und der den Ort der Zeitgenossenschaft markiert.
In einem Vortrag insistiert Jean-Luc Nancy, und er bezieht sich auf Derrida‘s Begriff des Geschenks, dass etwas Unwahrnehmbares jedem Akt des Schenkens innewohnen muss, um dessen Geschenk-sein zu vervollständigen. Die Gabe, das Aufgeben, das einer schwachen Autorschaft, einem Unvermögen des Schreibens innewohnt / zu eigen ist, hat auch mit dem zeitlichen Danach zu tun und vielleicht berührt es noch in der Schwäche des Schreibens ein Moment der Niederlage. In der Veröffentlichung eines Buches schnellt das Loslassen, das Sich-aufs-Spiel-setzen, das Aufgeben im Adressieren, das Veräußern im Sich-nach-außen-Wenden ineinander.
In der Denkfigur einer Naht taucht diese Stelle auf: an wen sich das Buch wendet, die Veräußerung des Textes, seine Veröffentlichung – dass es sich veräußert, gleicht einer unbestimmten Widmung. Das Buch, nicht das Erzählte, wagt die Hinzufügung einer gänzlichen Unbestimmtheit (Ungewissheit). Im Veröffentlichen, in seiner Entäußerung betrifft das Buch noch die nicht sammelbare Nähe des Der-Eine-für-den-Anderen (Levinas). In seiner unbestimmten Widmung muss das Buch gleichgültig sein.
Eine solche Arbeit des Unbestimmten und Blinden müsste sich den Effekten des Ungewissen, die solche Ereignisse für alle, gleich ob beteiligt oder fern, haben, zuwenden. Darin vollkommen unbestimmt zu sein, ungeschickt und geschickt zugleich
Zu widmen, heißt nicht, auf etwas Kommendes zu verweisen. Es heißt auch, zu beenden, zu schließen. Eine unbestimmbare Unfertigkeit zu entlassen. sich im Unbestimmten aufhalten, dem Ungewissen sich zu widmen, d. h. der Gegenwart sich zuzuzählen, das, was passiert, zu verantworten, indem, was passiert, sich zu verantworten

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