Telegramm


ZÜRICH/BERLIN JANUAR 2014

Dass es ein Schreiben ohne Namen gibt, dass das zählt, und dass wir/ich gewissermaßen rückwärts aus der Zukunft heraus und zu ihr hin,
euch, in die Zukunft zurückschreiben
Das Projekt einer Zeitschrift, von dem wir auch als Schreiben in der Zeit gesprochen haben, was erfordert es?
Wie antworten? Und welchen politischen, sozialen, ökonomischen Verwerfungen?
Lampedusa, Arabischer Frühling, Acta, Austerität, Renationalisierung, Sexarbeit ...
Müssen wir uns nicht zu solchen und dem ähnlichen Fragen verhalten, als Zeitschrift?
(diese eher zufällige Aufzählung fortsetzen, und präzisieren)
Wir haben uns gefragt, welches ist die Beziehung zwischen dem Schreiben und den - wie sollen wir das nennen - Ereignissen?
Wie berührt das Schreiben in der Zeit (oder Herbeischreiben von/einer Zeit) die Zeit, zu der wir gehören oder uns zählen?
Nämlich jene Zeit, die Gefahr läuft, sich nur noch auf sich selbst beziehen zu können, wie eine zirkulierende Gegenwart,
die den Apellen, den Agenden und den Politiken der Aktualität gehorcht.
Gibt es nicht so etwas wie eine Hegemonisierung durch die Abwesenheit von Situationen?
verspätete Erfahrung, Rückkehr von Geschichtlichkeit (durch die vertikale Kolonalisierung der Lebenszeit)

öffnet sich eine Möglichkeit von Internationalität
(welches Entschreiben betreibt die Idee des Internationalen)
Welches Übersetzen (Form/Arbeit) brauchen wir? Inwiefern richtet sich die Übersetzung als solche schon an unsere Zeit, gehört ihr an?
welche Ethik des Antwortens oder Rückerstattens von Zeit ist hier tätig
Als wäre es nur eine Frage der Imagination, die Zeit zurückzuerstatten, die es gebraucht hätte,
(euch) zu schreiben.

Zeitschrift als etwas, das periodisch ist, eine Frequenz des Wiederkehrens, der Ereignishaftigkeit darin,
und doch eine Zeitschrift, die sich von der Ereignisgeschichte abwendet und einem anderen Schreiben, einem Entschreiben zugewandt ist
das der Verbindlichkeit der Redaktion sich entzieht, dem Redaktionellen, das auf die Festschreibung des Zustands drängt
fieberhafte Tätigkeit des Schreibens und Entschreibens, also die Zeitschrift,
die zugleich einen Rhythmus hat, einen Pegel, ein Stampfen
sich wieder und wieder einfügen, an einen Platz, der eigentlich nicht besteht

in diesem Moment gehören wir weder einer Szene, einer Bewegung, einer Institution an,
wir haben in gewisser Weise auch kein Programm,
wir haben vielleicht nur einen immer noch unbestimmten Impuls, der mit Schreiben und Öffentlichkeit zu tun hat
wir möchten damit keine Kritik bestehender Bewegungen, Widerständigkeiten, Devianzen praktizieren
wir schreiben uns nicht einfach von einer Kritik der bestehenden Formate des Schreibens her
(und kein Versuch, sich von einer Kritik des Bestehenden herzudenken und dagegen anzuschreiben)
im Moment brauchen wir diese Kritik nicht
unsere Situation, die Klangfarbe dieses Entschreibens, sie wäre auch Manifest einer Notwendigkeit zum Schreiben,
die wir noch zu benennen hätten
wie sich das (praktisch, konkret) verschickt

Wie veröffentlicht sich das Projekt einer Zeitschrift?
an wen ist sie adressiert
Adressierung wie Magie (eine Arbeit des Verwandelns)
Schließlich haben wir an ein Zurückschicken gedacht (zurück aus einer Zukunft vielleicht, auch das eine zirkuläre Bewegung)
Wird nicht gerade der Schreibende zum Leser? Ist der Schreibende nicht gerade auch der Leser, der das Anonyme der Schrift signiert?
eher so etwas wie Bekräftigung des Geschriebenen, ohne den Ort der Autorschaft einzunehmen, sie fügen sich eher dem Gesagten hinzu
- das zu unterzeichnen
Wie werden die Geschehen angeeignet, übersetzt und durch die Signatur des Lesers wieder anonymisiert?
Und wenn wir nicht länger uns auf Akte des Einschreibens beziehen wollen, sondern stattdessen eine Bewegung des Entschreibens denken?
das, was geschieht (oder wie wir es nennen sollten) - entschreibt es sich den dominierenden Dispositiven (Öffentlichkeit, Historizität usw.)